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Datum: So 1, Sep 2002 14:16 Antwort an GiriHaribol Giri
Das kann ich gut nachvollziehen. Die hier widergegebene spirituelle Betrachtungsweise - alles ist Krsnas Segen -, ist zwar richtig und ein für das Bewusstsein beruhigender Gedanke. Steckt man jedoch persönlich knüppeltief in der Misere, hilft nur das tief verinnerlichte Wissen und nicht das gelernte Wissen, das den Weg vom Kopf zum Herzen noch nicht geschafft hat. Ehrlich gesagt, ich würde in Deiner Lage wohl ähnlich empfinden und würde unserem Krsna wohl so einiges erzählen, wie sein "Kümmern" auf mich wirkt. Aber ich kann auch den philosophischen Aspekt sehr gut sehen, fällt es einem aus der sicheren Distanz doch leicht - solange man die wenigen veröffentlichten Einzelschicksale nicht an sein Herz heran lässt -, ein solches Desaster distanziert und rein philosophisch zu analysieren. Das ist vielleicht ein Nachteil der modernen Nachrichtentechnik. Es gibt so viel Elend zu sehen, zu lesen oder zu hören, dass eine gewisse innere Gefühlsdistanz schon fast unabdingbar ist, ein notwendiger Selbstschutz. Diesen Selbstschutzmechanismus kennst Du bestimmt auch von Dir selbst.
> Ansonsten stimmt es schon, andere hat es viel schlimmer getroffen, aber Schlammschippen und gleichzeitig über Krsna meditieren, wenn das in der momentanen Gefühlslage möglich ist. > Zum anderen, daß alles nur mein Schlechtes Karma (daweile hab ich das doch Was ist schon schlechtes Karma? Auf jeden Fall ist «Karma» ein äusserst komplexes Thema. Ein kleines Beispiel: Ich glaube auch nicht, dass auch nur ein Mensch genau dasselbe Karma wie ein anderer hat. Der Begriff «Massenkarma» wurde meines Wissens erst in neuerer Zeit formuliert und durch verschiedene New-Age-Bücher verbreitet. Aus der Sanskrit-Sprache wäre mir kein entsprechender Begriff bekannt. Die Wortwahl ist selbst bei einem so grossen Ereignis wie jetzt unrichtig, weil nicht jeder in gleichem Ausmass betroffen ist (materiell) und vor allem nicht jeder gleich damit umgeht. Es hat also - wie das Karma definiert ist - völlig individuell verschiedene Auswirkungen. Mal von den rein materiell messbaren Effekten abgesehen, sind die psychologischen Folgen ganz unterschiedlich. Manche nehmen es vielleicht zum Anlass, nach Gott zu suchen, den Sinn des Lebens zu erforschen und für andere ist es der letzte "Beweis" für die Nichtexistenz Gottes oder der Beginn erster Zweifel am eigenen Gottesverständnis. > Ausserdem ist Gott fein raus: Alles gute ist ein Segen Gottes und alles Im Karma sind sowohl die angenehmen wie auch die unangenehmen Reaktionen mit eingeschlossen. Also auch alles Gute, das uns widerfährt, ist eine Reaktion auf vergangene gute Handlungen. Die Denkart des Vaishnava sieht aber den höchsten Herrn als Lenker der sich manifestierenden karmischen Reaktion (die Ursache sind immer die vergangenenHandlungen der Lebewesen - gut und schlecht). Wenn Leid kommt, denkt der gottliebende Vaishnava: "Lieber Krsna, danke, dass Du mir so wenig Leid zugeführt hast, denn aufgrund meiner vergangenen Taten hätte ich viel mehr Leid verdient." Der Vaishnava sieht sowohl im Leid als auch in der Freude den höchsten Herrn. Diese Sichtweise kommt aber nicht vom Kopf, sondern sie lebt im Herzen, das in zunehmender Liebe mit Krsna verbunden ist. Imitation dieser Sichtweise und spirituellen Gefühle ist schlicht nicht möglich und würde nur in Frustration enden, im schlimmstenn Fall gar in der Abwendung von Gott. > Ich hoffe das soviel kritische Gedanken hier erlaubt sind.
Meine besten Wünsche
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