DER HEILIGE NAME

Der heilige Name Krsnas

"Ich weiß nicht, wieviel Nektar der Name KRSNA erzeugt hat. Wenn der heilige Name Krsnas gesungen wird, scheint er im Mund zu tanzen, und wir wünschen uns dann viele Münder. Wenn Sein Name in die Öffnungen unserer Ohren dringt, wünschen wir uns Millionen von Ohren. Und wenn Krsnas Name im Hof des Herzens tanzt, besiegt er die Tätigkeit aller Sinne."
(Cc III,1.120)

 

Das Wesen des heiligen Namens

Der Name Gottes und Gott Selbst sind identisch. Das Aufleuchten dieser Erkenntnis wird Sphota (das Aufbrechen des Sinnes des Wortes), genannt. Die vorher einzig wahrnehmbare Schattenhülle des Namens zieht sich zurück, und der ewige, reale Name macht sich aus eigener Initiative in seinem wahren Wesen erkennbar.
"Das Chanten des heiligen Namens zerstört alle unerwünschten Dinge (im Herzen). Auf diese Weise erwacht alles Glück und der Fluß der Liebe zu Krsna beginnt zu fließen." (Cc III,20.11)
"Aller Sieg sei dem Chanten des heiligen Namens Krsnas, das den Spiegel des Herzens reinigen und die Leiden des lodernden Feuers des materiellen Daseins auslöschen kann. Dieses Chanten ist wie der zunehmende Mond, der den weißen Lotos des Glücks für alle Lebewesen verbreitet. Es ist das Leben und die Seele aller Bildung. Das Chanten des heiligen Namens Krsnas läßt den glückseligen Ozean transzendentalen (göttlichen) Lebens anschwellen. Ein Bad in diesem Ozean hat eine kühlende Wirkung auf jedermann und befähigt uns, bei jedem Schritt höchsten Nektar zu genießen." (Cc III,20.12)
"Das Chanten hat zur Folge, daß man seine Liebe zu Krsna erweckt und göttliche Glückseligkeit erfährt. Schließlich erlangt man Krsna und bekommt den Nektar des liebevollen Dienens, als ob man in ein großes Meer der Liebe tauchen würde." (Cc III,20.14)

Der große (maha) Mantra von Krsna lautet:

Hare Krsna Hare Krsna
Krsna Krsna Hare Hare
Hare Rama Hare Rama
Rama Rama Hare Hare

Hare ist die vokative Form von Hara, was sich auf die Sakti Krsnas, also auf Radha, bezieht. Hara bedeutet "Radha, die sogar die Aufmerksamkeit Krsnas, Haris, einfangen kann". Krsna bedeutet "derjenige, der im höchsten Sinne und im höchsten Masse anziehend ist". Im Namen von Rama - innerhalb des Hare Krsna-mantra - findet man Radha-Ramana Rama. Das bedeutet "Krsna, der Srimati Radharani Freude (Raman) gibt". Mit diesem Verständnis ist der gesamte Mantra völlig auf Krsna bezogen und steht nicht mit dem Rama-lila von Ayodhya in Verbindung. (aus "Loving Search for the Lost Servant" von Svami B. R. Sridhara, Seite 93/94) Wenn aber jetzt jemand sagt, das Rama von "Hare Rama" beziehe sich auf Sri Ramacandra oder auf Sri Balarama, so ist auch dies nicht falsch. Alles ist in Krsna möglich. (Siehe dazu die ausführlichen Erklärungen Srila Prabhupadas zu Cc I,5.132)
Dieser Mantra bedeutet für den Krsna-Bhakta eine demütige Bitte an Sri Radha, der Personifikation der absoluten unbegrenzten Gottesliebe (prema), ihn im ewigen Dienste Krsnas zu beschäftigen. Es wird also nicht unmittelbar Krsna angesprochen, sondern Srimati Radharani, die jeden aus ihrer unbegrenzten Fülle an Gottesliebe beschenken kann.
Dieser Mahamantra wird von den Geweihten Krsnas auf einer Holzperlenkette (108 Perlen) täglich meditiert (geflüstert oder leise gesprochen).
Jeder Bhakta spricht eine bestimmte Anzahl Runden auf seiner Kette (eine Runde bedeutet 108-mal den Mahamantra zu sprechen). Früher war es üblich mindestens vierundsechzig Runden zu sprechen. Aber bereits der große Bhakti-Lehrer Bhakti-Siddhanta Sarasvati (der selbst immer 64 Runden meditierte) senkte das Minimum auf sechzehn Runden. Es gilt ganz allgemein als besser - wenn man eine bestimmte Anzahl von Runden festlegt - diese so zu wählen, daß der Bhakta die gewählte Anzahl regelmäßig jeden Tag sprechen kann, und sich nicht auf eine zu hohe Rundenzahl einläßt, die er nur mit großer Mühe einhält.
Daneben sollte der Geist (Verstand) weiter trainiert werden, immer an Sri Krsna zu denken. Sri Caitanya Mahaprabhu erklärt dem Tapana Misra:
"Bei Tag und bei Nacht, beim Essen und sogar im Schlaf soll man den Namen Gottes im Sinn haben (also sich beständig an den Namen Gottes erinnern) und murmeln und singen und seine Bedeutung klar überlegen."

 

Die Vergehen beim Chanten des Heiligen Namens Krsnas

Aufgrund des Einflusses der drei Gunas (Tamah, Rajah und Sattva) neigt man dazu, folgende Vergehen gegen den heiligen Namen zu begehen:
1) Die Vaisnavas, die die Herrlichkeit des heiligen Namens lehren, zu beleidigen oder zu schmähen.
2) Zu glauben, daß andere Lebewesen, wie die Halbgötter (devas), von Krsna unabhängig seien.
3) Den Anweisungen des Guru (des echten reinen Bhakta) nicht zu folgen.
4) Die vedischen Schriften (auch ihre Nachfolge-Schriften) zu beleidigen oder zu schmähen.
5) Die Herrlichkeit des Singens von Krsnas Namen als Übertreibung oder Einbildung zu halten und den heiligen Namen oder seine Wirkung zu interpretieren (z.B. als eine Reaktion auf bestimmte Gehirnzentren oder vergleichbar mit positiv Denken usw.).
6) Sündhaft zu handeln, im Vertrauen, daß der heilige Name diese Tat wieder neutralisiert. (Weil der heilige Name alle Reaktionen auf sündhaftes Handeln auslöscht, bewußt solche Tätigkeiten zu planen oder auszuführen).
7) Jemandem, der kein Vertrauen und Glauben in den heiligen Namen besitzt, den Namen zu geben und ihn über die Herrlichkeit des Namens zu belehren.
8) Das Chanten von Krsnas Namen als gewöhnliche (gute) fruchtbringende Handlung (karma) oder einfach als fromme Tätigkeit zu betrachten.
9) Unaufmerksam zu chanten. (Sogar wenn jemand alle anderen Vergehen vermeidet und ununterbrochen chantet, wird Liebe zu Gott nicht kommen. Diesem Vergehen entspringen alle anderen Vergehen. Unaufmerksamkeit wird in drei Arten aufgeteilt: Gleichgültigkeit, Faulheit und Zerstreutheit [Aufmerksamkeit für andere Dinge]. Solange man sich andere Dinge wünscht wie Frauen oder Männer, Reichtum, Ehre, Macht, gesellschaftliche Position usw., und diesen Dingen seine Aufmerksamkeit widmet, wird man ganz natürlicherweise unaufmerksam gegenüber dem heiligen Namen sein.)
10) Nachdem man korrektes Wissen empfangen hat und sich über die Herrlichkeit des Namens bewußt ist, an der materiellen Welt von "Ich und Mein" angehaftet zu bleiben, und auf diese Weise den heiligen Namen zurückzuweisen. (Die 10 Vergehen entsprechend dem "Hari-nama-cintamani" von Bhaktivinoda Thakura. Das genannte Werk enthält eine sehr detaillierte Beschreibung dieser Vergehen, von Namabhasa und dem reinen Chanten.)
Alle Aussagen bezüglich der Herrlichkeit und der Wirkung (ekstatische Symptome der Liebe zu Gott) von Krsnas Namen beziehen sich immer auf das reine Chanten.
Wer nicht sehr strikt diese Vergehen vermeidet, kann durch das Chanten von Krsnas Namen nicht einmal Befreiung (mukti) erlangen, ganz zu schweigen von Premabhakti (reine Liebe zu Gott.

 

Die drei Stufen beim Chanten von Krsnas Namen

1) Die Stufe der Vergehen (nama-aparadha)

Die Verehrung des heiligen Namens mit einem oder mehreren der oben genannten Vergehen. Wer auf dieser Stufe chantet, kann unmöglich Liebe zu Gott erreichen. Er sollte sich bemühen, so schnell wie möglich alle Vergehen aufzugeben. Bhaktivinoda Thakura schrieb: "Man soll versuchen, sich zuerst völlig auf das (eine bestimmte Anzahl Runden) zu konzentrieren, was einer schaffen kann. Deshalb beginnt der Bhakta mit vollständiger Konzentration an einem friedvollen Ort und für kurze Zeit zu chanten. Aufmerksam bemüht die zehn Vergehen zu vermeiden, und in seinem Herzen beim heiligen Namen bettelnd, ihm Barmherzigkeit zu erweisen und die Vergehen (bzw. die innere vergehensvolle Haltung) zu zerstören. Krsnas Gnade ist notwendig, um den Ozean der materiellen Existenz zu überqueren. Und weil Er sehr barmherzig ist, wird Er helfen. Wer nicht versucht, diese Gnade zu bekommen, ist sehr unglückselig." (Hari-nama-cintamani, 12. Kapitel)

2) Die Stufe der Reinigung (namabhasa) / ausführliche Erklärung (pdf-Datei)

Auf dieser Stufe wird der Bhakta von den Reaktionen auf sein vergangenes Tun sowie von der Neigung, für seine eigene sinnliche Befriedigung tätig zu sein, mehr und mehr befreit. Die Anhaftung an Dinge, die in keiner Beziehung zu Sri Krsna stehen, verlagert sich langsam zur Anhaftung an Dinge, die in einer Beziehung zu Sri Krsna stehen. Unwissenheit (tamah) und Leidenschaft (rajah) lösen sich langsam auf, so wie sich der Morgennebel auflöst, wenn die Sonne immer höher steigt. Dieses Singen, verbunden mit dem klaren Wissen über Sri Krsna, die materielle Energie (maya-sakti) und die mittlere Energie (bestehend aus den unzählbaren Atmas) und wie sie zueinander stehen, führt langsam aber sicher zur Stufe des reinen Chantens. Wer immer auf dieser Stufe chantet, hat bereits Mukti (Befreiung von der Bindung an Materie) erreicht. Der echte Bhakta wird diese Mukti aber ablehnen, selbst wenn er erneut einen materiellen Körper annehmen muß. Er kennt kein anderes Ziel als Prema, reine Liebe zu Sri Krsna.

3) Die Stufe des reinen Chanten (suddhanama)

Auf dieser Stufe offenbart Sich Krsna mit all Seinen Kräften. Der Bhakta ist von allen Reaktionen völlig befreit und untersteht unmittelbar dem höchsten Herrn. Seine Liebe entfaltet sich jetzt stufenweise bis zur vollen Blüte der Premabhakti. Sein einziges Interesse besteht darin, den Höchsten durch seinen Dienst zu erfreuen. Sämtliche materiellen Anhaftungen sind durch Krsnas Gnade aus seinem Herzen getilgt.
Bhaktivinoda Thakura beschreibt dieses reine Chanten folgendermaßen:
"Der heilige Name ist die Knospe der Liebe zu Sri Krsna. Er ist ein Reservoir von nicht zu erahnender Ekstase und entfaltet enorme Kräfte. Wenn die Knospe des heiligen Namens ein wenig zu erblühen beginnt, offenbart der heilige Name seine Eigenschaften und seine Schönheit, und er stiehlt das Herz und bringt es in die Hände Krsnas. Wenn der heilige Name voll erblüht, nimmt er mich nach Vrndavana und zeigt mir die ewigen Spiele Krsnas. Zu dieser Zeit bietet der heilige Name mir meinen ewigen Cit-Körper an, er stellt mich neben Krsna und vernichtet den materiellen Körper.* Krsnas Name ist wie der Stein der Weisen (der Eisen in Gold verwandelt), er ist ewig befreit, rein und er ist die Quelle grenzenlosen Nektars und die Quelle meiner ganzen Freude."
* (D.h., der materielle Körper wird völlig spirituell. So wie Eisen, das ins Feuer gelegt wurde, die gleichen Eigenschaften wie das Feuer annimmt (Hitze und Licht), so wird der Körper eines vollkommenen Bhaktas durch ununterbrochene spirituelle (hingebungsvolle) Handlungen spiritualisiert.)

Von diesen drei Stufen muß man unter allen Umständen die Stufe der Vergehen vermeiden.

Sri Krsna-Caitanya Selbst betont das vergehenlose Chanten:
"Der wichtigste von den neun Vorgängen hingebungsvollen Dienens ist das (ständige) Chanten des heiligen Namens Gottes. Wer ohne Vergehen (niraparadhe) chantet, erlangt ekstatische Liebe zu Gott (die von unschätzbaren Wert ist)."
(Cc III,4.71)

 

Der heilige Name Krsna-Caitanyas

Rupa Gosvami schreibt:
"Ich erweise meine achtungsvollen Ehrerbietungen dem höchsten Herrn, Sri Krsna-Caitanya, der großmütiger ist als jeder andere Avatara. Sri Krsna-Caitanya ist sogar noch großmütiger als Krsna Selbst, weil Er freigiebig etwas gibt, was noch niemand zuvor jemals gegeben hat, reine Liebe (Premabhakti) zu Sri Krsna."

Krsnadasa Kaviraja Gosvami erklärt:
Sri Caitanya Mahaprabhu ist als der höchste Herr völlig unabhängig. Daher verteilte Er, ohne äußerliche Dinge in Betracht zu ziehen, diesen Nektar der Liebe (zu Krsna), obwohl sie eine höchst vertraulich bewahrte Segnung ist.
(Cc I,8.21)
Noch heute kann man sehen, daß jeder, der Sri Krsna-Caitanyas Namen nimmt, von Liebe zu Gott (Krsna) überwältigt wird, und Tränen erfüllen seine Augen. (Cc I,8.22)
Und während man einfach über Nityananda Prabhu spricht, erweckt man seine Liebe (Prema) zu Krsna. Dann werden alle Glieder des Körpers von Ekstase erfaßt, und Tränen fließen aus den Augen wie das Wasser des Ganges. (Cc I,8.23)
Beim Chanten des heiligen Namens Krsnas ist auf Vergehen zu achten. Daher gerät jemand, der Vergehen begeht, nicht in Ekstase, wenn er Krsnas Namen chantet. (Cc I,8.24)
Jeder, der Krsnas Name chantet, löscht sein sündhaftes Leben aus, und so wird reine Bhakti, welche die Ursache der Liebe zu Krsna ist, offenbar. (Cc I,8.26)
Wenn die Liebe zu Sri Krsna tatsächlich erweckt ist, verursacht sie Veränderungen im Körper wie Schweißausbruch, Zittern, Herzklopfen, Versagen der Stimme und Tränen in den Augen. (Cc I,8.27)
Ohne harte Arbeit beendet man durch Dienst zu Sri Krsna den Kreislauf von Geburt und Tod. Wer Krsnas Namen chantet, wird als Folge davon all diese Reichtümer (die auch in den vorangegangenen Versen erwähnt sind) erlangen.
(Cc I,8.28)
Wenn man den erhabenen heiligen Namen des Herrn immer wieder chantet und sich dennoch seine Liebe zum Höchsten nicht entwickelt und keine Tränen in den Augen erscheinen, ist es offensichtlich, daß wegen der Vergehen beim Chanten der Same von Krsnas heiligem Namen nicht sprießt. (Cc I,8.29-3O)
Beim Chanten der heiligen Namen von Sri Krsna-Caitanya und Sri Nityananda gibt es diese Überlegungen (dieses Beachten) nicht. Einfach das Chanten von Ihren Namen ruft Liebe zu Gott hervor, und Symptome wie tränende Augen werden sichtbar. (Cc I,8.31)

Srila Bhaktivedanta Svami schreibt zu diesem letzten Vers folgendes:
"Für einen gewöhnlichen Menschen ist die Verehrung Sri Caitanyas und Nityananda Prabhus oder des Panca-tattva leichter als die Verehrung Radhas und Krsnas. Solange jemand nicht sehr vom Glück begünstigt ist, sollte er nicht dazu veranlaßt werden, Radha-Krsna direkt zu verehren. Ein neuer Schüler, der noch nicht genügend ausgebildet oder erleuchtet ist, sollte sich nicht der Verehrung Sri Radhas und Krsnas oder dem Chanten des Hare-Krsna-Mantra widmen. Selbst wenn er dies tut, kann ihm nicht das erwünschte Ergebnis zuteil werden. Man sollte deshalb die Namen von Nitai-Gaura chanten und Sie ohne falsches Prestige verehren."
Bhaktivedanta Svami führt weiter aus, man solle nicht denken, daß der Name Krsna-Caitanyas mächtiger sei als der Name Krsnas. Beide Namen sind mit dem höchsten Herrn vollkommen identisch. Doch im Hinblick auf die Lage der Menschen im gegenwärtigen Zeitalter ist das Chanten von Sri Caitanyas Namen wesentlicher als das Chanten von Krsnas Namen; denn Sri Caitanya ist der großmütigste Avatara (der keine Vergehen gegen Sich beachtet), und Seine Gnade kann sehr leicht erlangt werden. Man muß daher zunächst bei Sri Krsna-Caitanya Zuflucht suchen, indem man chantet: "Sri Krsna-Caitanya Prabhu Nityananda Sri Advaita Gadadhara Srivasadi Gaura-bhakta-vrnda". Indem man auf diese Weise Caitanya und Nityananda dient, wird das Herz von allen unreinen Wünschen nach materiellem Eigengenuß gereinigt. Gleichzeitig wird man aus der Verstrickung des materiellen Daseins und von den Vergehen gegen den heiligen Namen befreit und so befähigt, (ohne Vergehen) Radha-Krsna zu verehren und ihre Namen zu chanten.

Die Gaudiya-Vaisnavas wie Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura und die Schüler seiner Schüler lobpreisen jeden Tag den Maha-mantra: Hare Krsna Hare Krsna Krsna Krsna Hare Hare / Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare. Zu diesem Zweck empfängt der Schüler im Moment der Einweihung die 108-gliedrige Perlenkette (Japa-mala) aus dem heiligen Tulasiholz, damit der Schüler auf derselben die Anzahl des Hare-Krsna-Maha-Mantras zählen kann. Der Schüler sollte mindestens 16 Runden täglich auf dieser Japa-mala wiederholen, aber bei jedem neuen Beginn einer Runde sollte er den Panca-Tattva-Mantra dreimal anrufen und so den höchsten Schutz vor jedem möglichen Vergehen gegen Krsnas heiligen Namen erbitten.
Anwärter des Bhakti-Yogas können diesen gleichen Vorgang auch ohne Perlenkette ausführen, oder sie fertigen sich selber eine Holzperlenkette an, die aus 108 Perlen besteht und die mit einem Knoten voneinander getrennt sind. Der Kettenabschluß bildet eine etwas größere Perle (die 109), auf der man keinen Mantra spricht und die man auch nicht überspringt. Bei der zweiten Runde wendet man also die Kette und zählt wieder "rückwärts".
Der oben genannte 'Panca-tattva' Mantra hat folgende Bedeutung: Es ist der große Mantra der fünf Wahrheiten. Krsna als Bhakta (Krsna-Caitanya), als Erweiterung eines Bhakta (Prabhu Nityananda), als Bhakta-Avatara (Sri Advaita), als Bhakti-Sakti (Sri Gadadhara) und als reiner Premabhakta (Srivasa und die anderen Geweihten Sri Krsna-Caitanyas).
"Das Panca-tattva ist im geistigen Sinne eine Einheit ohne irgend einen Unterschied. Dennoch gibt es spirituelle Vielfalt, und um die Wohlgeschmäcker (rasas) dieser Verschiedenheit zu kosten, sollte man zwischen ihnen unterscheiden." (Cc I,7.5)
Weiter wird erklärt:
"Sri Krsna ist der höchste Herr. Er Selbst ist der einzige höchste Herrscher und es gibt keinen Zweiten wie Ihn. Er erschien als der Sohn Nandas und Er ist der Gipfel aller Rasas.
Derselbe Sri Krsna erschien als Sri Krsna-Caitanya zusammen mit all Seinen ewig berühmten Gefährten.
Die höchste eine Persönlichkeit Gottes, der höchste Herrscher, Sri Caitanya Mahaprabhu, erschien in der Ekstase eines liebenden Gottgeweihten in Seinem ewigen unvergänglichen Körper.
Der göttliche Wohlgeschmack der ehelichen Liebe zu Sri Krsna ist von solch wunderbarer Natur, daß Er, um diesen Geschmack der Liebe (zu Sich Selbst) zu genießen, in der Gestalt eines Premabhakta erscheint.
Aus diesem Grund nimmt Er die Ekstase eines Gottgeweihten an, und erscheint als der transzendentale Lehrer Krsna-Caitanya. Und als unmittelbare Erweiterung eines Bhakta erscheint Sein älterer Bruder (Sri Balarama) in der Gestalt Sri Nityanandas.
In der Gestalt Advaita Acaryas erscheint Er als Bhakta-Avatara. Diese drei Tattvas (Wahrheiten) sind die Meister (denn Krsna-Caitanya, Prabhu Nityananda und Sri Advaita sind der eine höchste Gott in unterschiedlicher Gestalt). Mit diesem Verständnis chanten wir.
Einer ist Mahaprabhu (Sri Caitanya) und die beiden anderen sind Prabhus (Nityananda und Advaita). Die beiden Prabhus (Meister) dienen den Lotosfüßen Mahaprabhus (dem höchsten Meister).
Diese drei Wahrheiten sind für alle Lebewesen verehrenswert. Dies annehmend, sieht sich das Bhakta-tattva (die Gottgeweihten in der Nachfolge von Gadadhara Prabhu und Srivasa Thakura) als Verehrer (dieser drei Wahrheiten).
Es gibt unzählige reine Gottgeweihte, die von Srivasa Thakura angeführt werden. Sie alle werden zu derselben Wahrheit (bhakta-tattva) gezählt.
Die von Gadadhara Pandit angeführten Gottgeweihten werden als Sakti-Avataras (Shakti-Avatara: Ein Gottgeweihter, der mit einer besonderen Kraft Gottes ausgestattet oder erfüllt ist) angesehen. Es sind Geweihte des Herrn, die eine sehr tiefe vertraute Beziehung zu Ihm haben.
Sie alle begleiten den Herrn in Seinen ewigen Spielen. Sie alle begleiten den Herrn in Seiner Kirtana-Bewegung (dem gemeinsamen Singen der heiligen Namen). Sie alle begleiten Ihn, wenn Er Liebe zu Krsna genießt. Und nur gemeinsam mit ihnen verteilt Er Liebe zu Gott." (Cc I,7.7/9-19)
"Wer diesen barmherzigen Sri Caitanya nicht verehrt - selbst wenn er die höchste materielle Position einnimmt - muß zu den Asuras (Atheisten) gezählt werden. Daher sage ich (Krsnadasa), meine Arme hebend, noch einmal: 'Bitte gebt alle sinnlosen Argumente auf und verehrt Sri Caitanya und Nityananda Prabhu!'" (Cc I,8.12-13)
O ihr Menschen, verehrt daher bitte Sri Krsna-Caitanya und Prabhu Nityananda. Auf diese Weise werdet ihr die erbärmlichen Bedingungen des materiellen Daseins besiegen, und ihr werdet transzendentale (sich jenseits der Maya befindliche) Glückseligkeit (premananda) bekommen.
(Cc I,8.43)
"Nityananda Prabhu bat jeden, Sri Caitanya zu dienen (caitanya seva), über Caitanya zu sprechen (caitanya gao), und immer Seinen Namen zu chanten (lao caitanya-nama). Nityananda Prabhu erklärte, daß derjenige, der Sri Caitanya Bhakti darbringt, sein Leben und seine Seele sei."
(Cc II,1.29)
"Auf diese Weise veranlaßte Nityananda Prabhu die Menschen Bhakti zu Sri Caitanya Mahaprabhu (Caitanya-bhakti) anzunehmen. Obwohl sie gefallene Seelen und Lästerer waren, wurde jeder (durch diesen Vorgang) befreit."
(Cc II,1.30)

"Wenn jemand nicht versteht,
jedoch fortfährt immer wieder zu hören,
werden die wunderbaren Spiele Sri Caitanyas
Liebe (priti) zu Krsna hervorrufen.
Er wird auch die transzendentalen Wohlgeschmäcker (rasas) verstehen.
Einfach durch das Hören Seiner Lilas
kann er einen solch großen Nutzen erfahren."
(Cc II,2.87)

"O ihr Bhaktas, bitte hört diese Spiele (Sri Caitanyas) mit großem Vertrauen. Durch die Gnade (des Hörens) werdet ihr die Lotosfüße Sri Krsna-Caitanyas erhalten.
Durch diese Gnade (des Hörens der Lila Caitanyas) bekommt ihr die Essenz der Wahrheit über Sri Krsna und ihr erreicht hier die äußerste Grenze der Schlußfolgerung aller offenbarten Schriften." (Cc II,25.269-270)
"Die Spiele Sri Krsnas sind die Essenz allen Nektars (göttlicher Glückseligkeit). Dieser Nektarstrom fließt in hunderten von Nebenarmen in alle Richtungen. Die Spiele Krsna-Caitanyas sind wie der ewige göttliche See (bestehend aus dieser Essenz des Nektars der Spiele Krsnas). Mein lieber Geist, der du einem Schwan gleichst, bitte schwimm in diesem See." (Cc II,25.271)
"Die Lilas Sri Caitanya Mahaprabhus sind genau wie ein Ozean von Nektar; schon ein Tropfen dieses Meeres kann alle drei Welten überschwemmen. Kostet täglich den Nektar des Sri Caitanya-caritamrta, denn wenn man dies tut, bekommt man transzendentale Glückseligkeit (premananda) und vollkommenes Wissen über den hingebungsvollen Dienst (Bhakti-tattva-Jnana)." (Cc III,5.88-89)
"So wie Sonne und Mond die Dunkelheit durch ihr Erscheinen vertreiben und das Wesen aller Dinge enthüllen, so vernichten die beiden Brüder (Caitanya und Nityananda) die Unwissenheit und Finsternis der Lebewesen und machen ihnen die absolute Wahrheit zum Geschenk."
(Cc I,1.88-89)
"Unwissenheit und Finsternis werden kaitava (der Weg des Betrugs) genannt, der mit Dharma (hier im Sinne von Recht und der Pflichterfüllung der religiös-sozialen Gebote mit Lohnerwartung), wirtschaftlicher Entwicklung (artha), dem Streben nach Sinnenfreuden (kama) und dem Wunsch nach Befreiung (moksa) beginnt."
(Cc I,1.90)
"Der größte Betrug ist der Wunsch nach Befreiung durch das Eingehen in den Höchsten (Einswerdung mit Gott), denn dadurch wird die Bhakti zu Krsna (die liebevolle Hingabe zu Gott) verschwinden." (Cc I,1.92)
"Alle Arten von Tätigkeiten, ob glück- oder unglückbringend, die der Bhakti zu Krsna entgegenstehen, sind Dharmas (Pflichten) der Unwissenheit und Finsternis. Durch die Gnade Sri Caitanyas und Prabhu Nityanandas wird diese Dunkelheit vernichtet und dadurch wird die Wahrheit ans Licht gebracht." (Cc I,1.94-95)
"Die absolute Wahrheit - Sri Krsna, Bhakti für Krsna und die reine Form der Liebe zu Gott - wird durch das Chanten des heiligen Namens, das alle Glückseligkeit beinhaltet, erreicht."
(Cc I,1.96)
"Die Sonne und der Mond vertreiben die Dunkelheit der Welt und enthüllen so materielle Dinge wie Töpfe usw. Aber diese beiden Brüder nehmen die Dunkelheit aus dem Herzen und helfen uns so, den beiden Arten von Bhagavatas zu begegnen. Einer der Bhagavatas ist die bedeutende Schrift Bhagavatam (das Bhagavat-Purana), und der andere ist der reine Bhakta, der die Rasas (Wohlgeschmäcker) liebender Hingabe empfängt und kostet. Durch diese beiden Bhagavatas gibt der Herr die Bhakti-rasas (die ekstatischen Empfindungen der Liebe zu Gott) in das Herz Seines Geweihten. Und so wird der Herr, durch die reine Liebe, im Herzen des Bhakta beherrscht."
(Cc I,1.97-100)
"Die erste wundervolle Sache ist, daß die beiden Brüder gleichzeitig erscheinen, und die andere wundervolle Sache ist, daß sie die Dunkelheit (tamah) im Innern des Herzens vernichten. Diese Sonne und dieser Mond (Caitanya und Nityananda) sind sehr gütig. Für das Glück der ganzen Welt sind sie im Lande Gauda (Bengalen) erschienen. Ich erweise den Lotosfüßen dieser beiden Prabhus meine Ehrerbietung. Sie beseitigen alle Hindernisse und erfüllen alle Wünsche (auf dem Pfad der Liebe zu Gott)."
(Cc I,1.101-103) *
(Im Mahabharata, Udyoga-parva, 43. Kapitel, werden fünf Arten von Dunkelheit [Unwissenheit] beschrieben:
1. Den Körper für das Selbst zu halten,
2. Sinnenbefriedigung zum Maßstab seines Genusses zu machen,
3. in Sorge zu sein, weil man sich mit vergänglichen Dingen identifiziert,
4. zu klagen und
5. zu denken, es gebe etwas jenseits der absoluten Wahrheit.)

"Während man einfach demütig zuhört, wird das Herz von allen Fehlern der Unwissenheit befreit. So erlangt man tiefe Liebe zu Sri Krsna und erreicht wirkliche Befriedigung.
Ich habe auf verschiedene Weise Sri Caitanya Mahaprabhu, Nityananda Prabhu, Sri Advaita sowie Ihre Bhaktas, Bhakti, Ihre heiligen Namen, Liebe (prema), die Rasas, also die gesamte absolute Wahrheit, beschrieben und ausgeleuchtet. Wer all dies hört (oder liest) kennt die gesamte Essenz der absoluten Wahrheit." *
(Cc I,1.107-109)
* (Diese Essenz der gesamten absoluten Wahrheit wird im ersten Kapitel des Caitanya-caritamrita in kurzen und prägnanten Sätzen dargestellt.)

"Durch (beständige) Erinnerung an das Panca-tattva kann ein Stummer zum Dichter werden, ein Lahmer kann Berge überqueren und ein Blinder kann die Sterne am Himmel sehen." (Cc I,8.5)

Man sollte also immer vor dem Singen oder Sprechen des Hare Krsna-mantras den Panca-tattva-mantra -

Sri Krsna-Caitanya Prabhu Nityananda
Sri Advaita Gadadhara
Srivasadi Gaura-bhakta-vrnda

- verehren. Denn nur mit der Barmherzigkeit Sri Caitanya Mahaprabhus können wir beim Singen des Maha-mantra, Hare Krsna Hare Krsna Krsna Krsna Hare Hare / Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare, Fortschritte machen.
Zuerst muß man durch die Barmherzigkeit Nityanandas und Seines Stellvertreters, den echten Guru, Caitanya Mahaprabhu in sein Herz aufnehmen. Dann wird durch Seine Gnade Radha und Krsna erscheinen. Ohne Caitanya Mahaprabhu gibt es keinen Fortschritt in der Verehrung Sri Sri Radha-Krsnas.

Krsnadasa Kaviraja Gosvami schreibt:
"Dinge, die sehr schwer zu bewerkstelligen sind, werden leicht durchführbar, wenn man sich auf irgendeine Weise an Sri Caitanya Mahaprabhu erinnert. Doch wenn man sich nicht an Ihn erinnert, werden selbst einfache Dinge sehr schwierig. Diesem Sri Caitanya Mahaprabhu erweise ich meine achtungsvollen Ehrerbietungen."
(Cc I,14.1)

 

Chantet nebst dem Hare-Krsna-Maha-Mantra regelmässig die Namen

Nityananda-Gauranga

Mehr dazu findet ihr auf gauranga-prema.ch

 

 

Inhaltsverzeichnis

Sanskrit-Worterklärung

Nachwort


www.bhakti-yoga.ch