Ich möchte zu Beginn dieser Beschreibung Krsna-Caitanyas einen Teil des dritten Kapitels aus Krsnadasa Kavirajas Caitanya-caritamrta (Adi-lila) zitieren:
1) Ich erweise Sri Caitanya Mahaprabhu meine achtungsvollen Ehrerbietungen. Durch die Macht des Schutzes Seiner Lotosfüsse kann selbst ein Narr die wertvollsten Juwelen (die endgültige Wahrheit) aus den Minen (den offenbarten Schriften) sammeln.
2) Alle Ehre sei Sri Caitanya. Alle Ehre sei Nityananda. Alle Ehre sei Sri Advaita. Und alle Ehre sei den Geweihten Sri Caitanyas (gaura-bhakta).
3) Ich habe die Bedeutung des dritten Verses beschrieben (im zweiten Kapitel des Cc). Jetzt, o Gottgeweihte, hört bitte die Bedeutung des vierten mit voller Aufmerksamkeit.
Es folgt der angedeutete vierte Vers:
4) "Möge jener Herr, der als der Sohn Mutter Sacis (Sri Caitanya) bekannt ist, auf transzendentale Weise im innersten deines Herzens erscheinen. Mit dem strahlenden Glanz flüssigen Goldes ist Er in Seiner grundlosen Barmherzigkeit im (gegenwärtigen) Zeitalter des Kali (des Streites und der Heuchelei) herabgestiegen, um zu verschenken, was kein Avatara zuvor anbot: den höchsten Wohlgeschmack (rasa) Seiner Bhakti, den Wohlgeschmack ehelicher Liebe."
5) Sri Krsna, der Sohn des Königs von Vraja, ist der höchste Herr. Er geniesst ewig transzendentale Spiele in Seinem ewigen Reich, Goloka, zu dem auch Vraja-dhama (der Ort, wo Krsna Seine Lila offenbarte) gehört.
6) Jeden Tag im Leben Brahmas steigt Er einmal in diese Welt hinab, um die Manifestation Seiner Spiele zu vollführen.
7) Wie wir wissen, gibt es ein Satya-, Treta-, Dvapara- und Kaliyuga. Diese vier zusammen betrachten wir als Divya-yuga (auch als catur-yuga oder maha-yuga bekannt).
8) Einundsiebzig solcher Maha-yugas (1 Maha-yuga ergibt die Zeitdauer von 4'320'000 Jahren) ergeben ein Manvantara. Es gibt vierzehn Manvantaras an einem Tag Brahmas.
9) Der (gegenwärtige) Manu heisst Vaivasvata. Er ist bereits der Siebte Manu, und es sind schon siebenundzwanzig Maha-yugas seiner Zeit (also ca. 116'640'000 Erdenjahre) verstrichen.
10) Während des achtundzwanzigsten Maha-yuga am Ende des Dvapara-yuga manifestiert Krsna Sich Selbst gemeinsam mit Seinem ewigen Reich (vraja).
11) Dienertum, Freundschaft, elterliche Liebe und eheliche Liebe sind die vier göttlichen Rasas (Wohlgeschmäcker). Von den Gefühlen der Liebe dieser vier Arten von Bhaktas, lässt Sich Sri Krsna besiegen (bzw. erobern).
12) Zusammen mit Dienern, Freunden, Vater und Mutter sowie Seinen Geliebten, erfreut Sich Krsna in Vraja, völlig in göttliche Liebe versunken, Seines Spiels.
13) Krsna geniesst Seine Spiele, solange Er es wünscht; dann geht Er fort. Nachdem Er jedoch diese Welt verlassen hat, überlegt Er folgendermassen:
14) "Lange Zeit habe Ich keine Premabhakti verschenkt. Aber ohne Bhakti ist die Existenz des Universums überflüssig."
15) "Alle Menschen im gesamten Universum verehren Mich gemäss der regulierten Bhakti. Solche regulierte Bhakti besitzt jedoch nicht die Macht, die liebevollen Gefühle der Bewohner von Vraja zu erlangen."
16) "Im Wissen über Meine Reichtümer blickt die ganze Welt mit Ehrfurcht auf Mich. Aber Liebe, die durch das Wissen über Meinen Reichtum geschwächt ist, wirkt auf Mich nicht anziehend."
17) Der regulierte hingebungsvolle Dienst (Sadhana-Bhakti), der im Bewusstsein Meiner Reichtümer ausgeübt wird, bringt den Verehrenden nach Vaikuntha, wo er die vier Arten der Befreiung erreicht."
18) Diese Befreiungen sind Sarsti (Reichtümer erlangen, die denen des Herrn gleichkommen), Sarupya (eine Gestalt haben, die der des Herrn gleicht), Samipya (als persönlicher Gefährte des Herrn leben) und Salokya (auf einem Vaikuntha-Planeten leben). Bhaktas nehmen jedoch niemals Sayujya an, denn dies bedeutet, mit dem Brahman einszuwerden."
19) "Ich werde die religiöse Pflicht (dharma) dieses (Kali-) Zeitalters wieder einführen - das Chanten der heiligen Namen Gottes (nama-sankirtana). Ich werde der Welt die vier Gemütsstimmungen (bhavas) der Bhakti schenken und sie auf diese Weise in Ekstase tanzen lassen."
20) "Ich werde persönlich die Rolle eines Gottgeweihten annehmen und Ich werde persönlich Bhakti ausüben, um so alle Welt zu lehren."
21) "Solange man nicht selbst religiöse Pflichten (dharma) ausführt, kann die Lehre nicht fortschreiten. Dieselbe Schlussfolgerung wird auch von der Bhagavad-gita und vom Bhagavatam gezogen."
Es folgen nun entsprechende Zitate aus der Bhagavad-gita (4.7-8/3.24,21).
22) "Wann auch immer das religiöse Leben (dharmasya) untergeht und irreligiöse, gottlose Tätigkeiten überhand nehmen, o Nachkomme Bharatas, zu der Zeit manifestiere Ich Mich Selbst."
23) "Um die Frommen zu erretten und die Gottlosen zu vernichten und zur Wiederherstellung des Dharma, erscheine Ich von Zeit zu Zeit."
24) "Wenn Ich nicht die richtigen Grundsätze der Religion vorleben würde, gingen all diese Welten zugrunde. Ich wäre der Urheber unerwünschter Bevölkerung und würde all diese Lebewesen verderben."
25) "Was immer ein grosser bedeutender Mann tut, die gewöhnlichen Menschen folgen diesem Beispiel. Und welche Massstäbe auch immer er vorlebt, die Menschen folgen ihm nach."
26) "Die religiösen Grundsätze (dharma) eines jeden Zeitalters (yuga) können von Meinen vollständigen Teilen wieder eingeführt werden. Aber niemand ausser Mir Selbst ist fähig, die Prema (Liebe) die in Vraja herrscht, zu vergeben."
Es folgt ein Zitat von Bilvamangala Thakura.
27) "Es mag viele allglückspendende Avataras des höchsten Herrn (Visnu, aus dessen Nabel eine Lotosblume wächst) geben, aber wer ausser Krsna kann Prema an die ergebenen Seelen verschenken?"
28) "Indem Ich zusammen mit Meinen Geweihten auf die Erde hinabsteige, werde Ich viele verschiedenartige farbige Spiele ausführen."
29) Auf diese Weise denkend, stieg Sri Krsna Selbst am Anfang des Kali-Zeitalters in Nadia auf die Erde hinab.
30) So wurde der löwengleiche Sri Caitanya in Navadvipa zum Avatara. Er hat die Schultern eines Löwen, die Stärke eines Löwen und auch die laute Stimme eines Löwen.
31) Möge dieser Löwe im Innersten des Herzens eines jeden Lebewesens sitzen und mit Seinem widerhallenden Brüllen die elefantengleichen Laster der Lebewesen vernichten.
Übersichtstafel zu den Zeitangaben
