Das Reich Gottes Die Welt des eigensüchtigen Messens und Berechnens und Bewertens, die Welt der Maya, und das von ihr unberührte unendliche Reich der ewigen Wirklichkeit, sind am selben Ort. Was man von beiden wahrnimmt, hängt von der Gottabgewandtheit oder Gottzugewandtheit des Atma ab. "Dieses (Reich) wird nicht von der Sonne, dem Mond oder von Feuer erleuchtet. (Denn alles leuchtet aus sich selbst heraus.) Diejenigen, die dorthin gehen, kehren niemals wieder zurück (in den endlosen Kreislauf von Geburt und Tod). Das ist Mein höchstes Reich." (Bg 15.6)Im Bhagavatam, das in einigen anderen Puranas als die Essenz des gesamten Veda bezeichnet wird, heißt es schon in der allerersten Strophe der 18'000 Strophen des gewaltigen Werks, daß Bhagavan Sri Krsna "in Seinem eigenen Reich auf immer die Gaukelei der Maya ausgeschlossen hat". Was ist die Substanz dieses ewigen Reiches, das unbegrenzt von Zeit und Raum und unberührt vom Entstehen und Vergehen der Welten ist? Das nicht aus festem, flüssigem oder gasförmigen Stoff, nicht aus Molekülen, Atomen, Elektronen, Protonen und auch nicht aus Gedanken und Ideen besteht? Die Substanz dieses unvergänglichen Reiches ist die den Naturgesetzen in keiner Weise unterworfene Svarupa-Sakti Gottes, die untrennbar zu Seiner eigenen Person gehört. Diese Zentralgestalt des unendlichen Reiches der Svarupa-Sakti, tritt in einem Vers der Brahma-samhita zu Tage: "Mit dem Auge der Bhakti, dem mit der Salbe der Prema (Liebe) gesalbten, schauen die Geweihten immerdar in ihren Herzen den wunderschönen Syama, dessen Wesensgestalt aus unausdenkbaren Eigenschaften besteht. IHN, den Govinda (Krsna), die urerste göttliche Person (adi-Purusam), verehre ich in dienender Liebe." (Bs 5.38)Syama ist ein uralter Name Krsnas. Das Adjektiv syama bedeutet ebenso wie das Adjektiv krsna dunkelfarben, eigentlich: alle Farben übereinander gelegt, so daß sie dunkelleuchtend erscheinen; gemeint ist eine nicht der Welt angehörige Farbe, die in den Texten zuweilen mit der dunkelblau leuchtenden Farbe von jungen und frischen Regenwolken verglichen wird. Ein weiterer Name Krsnas ist Govinda, der Erfreuer des Landes, der Kühe und der Sinne. Die Urgestalt aller Saktis (göttlichen Kräfte) wird im Padma-Puranam und anderen Texten Radha genannt, die golden Leuchtende. Der Name Radha enthält die Wurzel radh, liebend verehren, zufriedenstellen. Es heißt, niemand vermag den höchsten Herrn Sri Krsna durch dienende erkennende Liebe so zufriedenzustellen und zu beglücken wie sie. Radha heißt auch Bhakti-Devi, die Bhakti-Göttin. Ihre Gestalt, ihr Wesen ist höchste unbegrenzte und unfaßbare Premabhakti (Gottesliebe). Ohne ihre Gnade gelangt niemand zu Krsna; ohne daß sie demjenigen, der das Glück des Gottdienens anstrebt, Bhakti aus der Fülle ihrer Bhakti schenkt. Radha und Krsna sind das ewig jugendfrische Paar. Sie sind zwei und doch eins. Es heißt, Radha ist eins mit Krsna, so wie der Duft der Rose mit der Rose eins ist. Sie leben im unendlichen Gottesreich, das Goloka oder Vrndavana genannt wird und als das höchste aller Gottesreiche angeschaut wird. All die anderen Cit-Sakti-Gestalten in den jeweiligen Gottesreichen sind Teilaspekte Radhas. So ist Laksmi die ewige Gefährtin Narayanas im unendlichen und ewigen Reich Vaikuntha; Sita die ewige Gattin Ramas im unendlichen Reich Ayodhya... Sie alle sind Gestalten, deren Wesen Premabhakti ist. Über jedem dieser unendlichen Reiche wölbt sich ein Cit-Himmel, in dem Sonne, Mond und Sterne aus Cit-Substanz leuchten. Weil Krsna, Gott, die Wünsche aller Lebewesen erfüllt, erweitert Er Sich Selbst in viele Gestalten, die von Ihm nicht verschieden sind, nur um die Wünsche Seiner Geweihten zu befriedigen. Die zahllosen Seelen, die Gott in Liebe dienen möchten, um Ihn zu erfreuen, tragen verschiedenartige Idealvorstellungen einer liebevollen Beziehung zu Gott in sich. Einer möchte Ihn vielleicht mit viel Prunk und Reichtum verehren, ein anderer möchte Ihn einfach als seinen Freund umgeben, um Ihm seine freundschaftliche Liebe darzubringen. Um all diese unterschiedlichen Wünsche zu erfüllen, erweitert Er Sich in unterschiedliche Gestalten Gottes, die alle ein in sich unendliches Gottesreich zur Verfügung stellen. Gott erfüllt aber nicht nur die Wünsche derjenigen, die Ihm in Liebe dienen wollen. Nein, Er erfüllt auch die Wünsche all jener, die sich entschlossen haben, die materielle Energie auszubeuten. Ihnen stellt Er Milliarden von Universen zur Verfügung, die mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten ausgestattet sind, (scheinbar) unabhängig von Gott zu genießen. Goloka-VrndavanaIm 33. Kapitel des Padma-Puranam wird von Parvati (Durga) an ihren Ehemann (Siva) eine Frage gestellt: "Innerhalb und außerhalb der zahllosen Universen ist der höchste Ort Visnus. Doch welche Stätte ist die hauptsächlichste und die kostbarste, welcher ist der Ort, der dem Krsna so lieb ist wie kein anderer?"Siva spricht nun von dem 'geheimnisvollen' Reich, das unter allen Reichen Gottes am meisten verborgen gehalten wird, dem Ewigen, das von der Schöpfung Mayas nicht berührt wird, das die Fülle des Brahman selber ist. Dieses Reich ist voller Glück und Macht, unvergänglich und besteht aus reiner Ananda (Glückseligkeit). Vaikuntha, das Reich Visnus, und andere Reiche sind nur Teilaspekte dieses höchsten Reiches Goloka-Vrndavana: "...Die Erde besteht dort aus Edelsteinen, die alle Wünsche erfüllen, Wasser ist wie Nektar... Worte und Bewegungen sind Gesang und Tanz. Vrndavana ist der Ort für die Vaisnavas (Bhaktas), die aus reinem Sein bestehen und voller Prema sind... Immer geht dort der Mond voll auf, nur mild strahlt dort die Sonne. Frei von Leid, frei von Trennung, frei von Alter und Tod, frei von Zorn und Eifersucht, frei von selbstischem Dünkel. Voller Geschmack (rasa) des Nektars der Glückseligkeit, Meer von Glück in der Fülle des Prema (Liebe zu Gott), frei von den Gunas, ist es selbst (das Reich) ganz und gar Prema... Nicht verschieden ist es von der Gestalt Krsnas." (Padma-Puranam, Patala-Khanda, Kap. 38)Dann fragt Parvati nach der Gestalt Krsnas in diesem Reich. Siva antwortet: "Er ist ursprungslos, der Ursprung von allem, der geliebte "Sohn" des Nanda und der Yasoda; die Srutis (die Veden) suchen nach Ihm ewiglich; Er stiehlt das Herz der Gopis (Kuhhirtinnen in Goloka); Seine Gestalt ist die höchste Kraft, die höchste Gestalt, "zweiarmig", frei von den Gunas (der Maya)."Es wird nun ganz eingehend Krsnas Gestalt, Sein Kleid, Sein Schmuck beschrieben, die alle aus Cit-Sakti bestehen: "Das aus Cit bestehende ewige Brahman ist Sein Teilaspekt. Millionstel Bruchteile von Bruchteilen Seiner persönlichen Teilaspekte sind die Brahmas, Visnus und Mahesvaras (Sivas), die zur Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung (Auflösung) von zahllosen Millionen von Universen, die aus den drei Gunas bestehen, eingesetzt sind." (115)Das bedeutet, daß die Gestalten des göttlichen Paares in anderen ewigen Gottesreichen die Teilaspekte der Urgestalten des göttlichen Paares Radha-Krsna sind; und daß auf diesem Paar alles was ist, einschließlich der Sinnenwelt, beruht und ohne die beiden nichts wäre. "Ich (Krsna) bin der Ursprung aller spirituellen und materiellen Welten. Alles geht von Mir aus." (Bg 10.8) Wisse, von allem, was materiell und was spirituell ist in dieser Welt, bin Ich sowohl der Ursprung als auch die Auflösung. O Eroberer von Reichtum (Arjuna), es gibt keine Wahrheit über Mir. Alles ruht auf Mir wie Perlen auf einer Schnur." (Bg 7.6-7)
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