Das Erscheinen Sri Krsna-Caitanyas

(Caitanya-caritamrta I,13)

Vor der Geburt Sri Caitanya Mahaprabhus wurden nacheinander acht Töchter aus dem Leib Mutter Sacis geboren. Doch kurz nach der Geburt starben sie alle. Jagannatha Misra war aufgrund der Trennung sehr unglücklich. Deshalb verehrte er die Lotosfüße Sri Visnus, um einen Sohn zu bekommen. So wurde ihm ein Sohn namens Visvarupa, der überaus große Eigenschaften besaß, da er eine Erweiterung Baladevas* war, geboren.
* (Baladeva ist ein anderer Name Balaramas [der jetzt als Nityananda erschienen ist]. Visvarupa ist also eine Teilerweiterung Nityanandas.)
Da Jagannatha Misra und Mutter Saci Visvarupa als ihren Sohn bekommen hatten, waren sie in ihren Herzen sehr zufrieden. Deshalb begannen sie, den Lotosfüßen Govindas besondere Dienste darzubringen.
Ende Januar des Jahres 1485 trat Sri Krsna in die Körper Jagannatha Misras und Sacis ein.
Jagannatha Misra sagte zu seiner Frau Saci:
"Ich sehe außergewöhnliche Dinge! Dein Körper leuchtet, und es scheint, als halte sich jetzt die Glücksgöttin persönlich in meinem Haus auf. Wo immer ich hingehe, erweisen mir die Menschen Achtung. Auch wenn ich nicht danach frage, geben sie mir freiwillig Güter, Kleidung und Reis."
Saci erwiderte:
"Ich sehe auch wunderbar leuchtende Wesen im Weltall erscheinen, und es sieht aus, als würden sie Gebete darbringen."
Jagannatha Misra antwortete darauf:
"In einem Traum sah ich, wie das strahlende Reich des Herrn in mein Herz eintrat. Von meinem Herzen trat es in dein Herz ein. Ich kann daher verstehen, daß bald eine große Persönlichkeit geboren wird."
Nach diesem Gespräch waren sie beide von Freude erfüllt und dienten gemeinsam in ihrem Haus dem Salagrama-sila (einer bestimmten Form Visnus). So näherte sich die Schwangerschaft ihrem dreizehnten Monat, doch gab es immer noch kein Zeichen für die Niederkunft des Kindes, was Jagannatha Misras Besorgnis erregte.
Nilambara Cakravarti, der Großvater Sri Caitanyas, sagte, daß das Kind, einen glückverheißenden Augenblick nutzend, noch in diesem Monat zur Welt kommen werde.
Am Vollmondabend des Monats Phalguna (Februar-März) im Jahre 1407 der Saka-Ära (1486 A.D.) nahte schließlich der ersehnte glückverheißende Augenblick.
(Alle Sternbilder, die gemäß dem Jyotir Veda [den astronomischen Schriften der Vedas] berechnet wurden, ergaben einen überaus glückverheißenden Augenblick. Krsnadasa schreibt, daß z.B. während dem Erscheinen Gauracandras, der mit dem fleckenlosen Vollmond verglichen wird, der mit Flecken erfüllte Vollmond verhüllt wurde [Mondfinsternis]. Es ist und war in Indien Brauch, daß die Hindus während einer Mond- oder Sonnenfinsternis in einem Fluß oder dem Meer baden und die heiligen Namen Gottes singen.)
So sangen alle Menschen die heiligen Namen und ihre Gemüter waren von einem wunderbaren Zustand ergriffen. Als das ganze Land* die heiligen Namen des höchsten Herrn sang, erschien Gaurakrsna auf dieser Erde. Alle Menschen wurden fröhlich und während die Hindus den heiligen Namen 'Hari' sangen, ahmten die Nicht-Hindus im Scherz die Worte nach.
* (Das Wort "jagat" bedeutet je nach Kontext: Land, Welt oder Universum. Es wird oft einfach im Sinne von "ganz Indien" verwendet. Hier in diesem Falle ist ganz Indien gemeint.)

Die Halbgötter auf den himmlischen Planeten, die neugierig wurden, begannen mit Musik und Tanz.
Sogar das Wasser der Flüsse und alle Himmelsrichtungen schienen fröhlich und zufrieden zu sein. Alle Wesen, sowohl die beweglichen als auch die unbeweglichen, wurden von göttlicher Freude überwältigt.
Zu der Zeit tanzte Sri Advaita Acarya in seinem Haus in Santipura. Er nahm Haridasa Thakura bei der Hand und so tanzten sie beide voller Freude und sangen mit lauter Stimme die heiligen Namen Krsnas. Aber warum sie tanzten und sangen, konnte niemand verstehen. Als sie beide die Mondfinsternis sahen, lachten sie und gingen sogleich zum Ufer der Ganga. Voller Jubel nahmen sie ein Bad. Die Gelegenheit der Mondfinsternis nutzend, verteilte Advaita Acarya durch seine geistige Stärke verschiedene Arten von Spenden an die Brahmanas.
Die ganze "Welt" war voller Freude und als Haridasa Thakura dies sah, wurde er von Verwunderung ergriffen. Mit direkten und indirekten Andeutungen wandte er sich an Advaita: "Dein Tanzen und Verteilen von Spenden bereitet mir große Freude. Ich kann verstehen, daß sich hinter diesen Handlungen eine bestimmte Absicht verbirgt."
Alle Gottgeweihten in allen Ländern (Indiens) und in jeder Stadt tanzten und sie waren von Freude überwältigt. Unter dem Vorwand der Mondfinsternis verteilten sie durch geistige Stärke Almosen und sangen die heiligen Namen Sri Krsnas.
Unterdessen brachten die achtbaren Brahmana-Herren mit ihren Frauen verschiedene Teller, gefüllt mit allerlei Gaben, als Geschenke. Als sie das neugeborene Kind sahen, dessen Gestalt natürlich glänzendem Gold glich, sprachen sie alle voller Freude ihre Segenswünsche aus.
Indem sie sich als Frauen von Brahmanas verkleideten, kamen alle himmlischen Damen wie z.B. Savitri (Brahmas Frau), Gauri (Sivas Frau), Sarasvati (Sri Nrsimhadevas Frau), Saci (Indras Frau), Rambha (ein Tanzmädchen des Himmels) und Arundhati (Vasisthas Frau) zu Besuch und brachten Körbe voller vielfältiger Gaben.
Im Weltall brachten die Devas (Halbgötter) der verschiedenen himmlischen Planeten ihre Gebete dar und tanzten zu wohlklingenden Gesängen und dem Spiel von Trommeln. Auch in der Stadt Navadvipa versammelten sich berufsmäßige Tänzer, Musiker und Bhatas (berufsmäßige Segner) und sie alle tanzten voller Glück.
Niemand konnte verstehen, wer kam und wer ging, wer tanzte und wer sang. Auch verstand keiner die Sprache des anderen. Doch alles Unglück und alles Klagen wurde sogleich vertrieben, und alle Menschen wurden von Jubel erfüllt. Auch Jagannatha Misra wurde von Glückseligkeit überwältigt.
Was immer er an Geschenken und Gaben besaß und was immer er in seinem Hause hatte, verteilte er unter den Brahmanas, Sängern, Tänzern, Bhatas und den Armen. Jagannatha Misra ehrte sie alle, indem er ihnen großzügige Almosen gab.
Advaita Acaryas Frau, Sita Thakurani, die für die ganze Welt verehrungswürdige Dame, kam auf Anweisung ihres Gemahls mit vielerlei Gaben und Geschenken, um dieses erhabenste Kind zu sehen. Sie brachte allerlei goldene Schmuckstücke wie Reifen für die Hand, Armreifen, Halsketten und Fußschmuck. Auch in Gold gefaßte Tigerkrallen, Hüftschmuck aus Seide, Geschmeide für Arme und Beine, schön bedruckte seidene Saris und Kinderkleider, die mit herrlichen Seidenstickereien versehen waren. Ebenfalls Gold- und Silbermünzen und viele andere Dinge wurden von ihr mitgebracht.
Sita Thakurani, die in einer Sänfte und begleitet von Dienerinnen, zum Hause Sacis kam, sah, als sie die vielen Pakete mit Speisen, Gewändern und anderen Geschenken übergab, daß die äußeren Merkmale des Kindes mit denen von Krsna übereinstimmten. Einzig die Hauttönung unterschied Es von Krsna. Als sie die wohlgeformte und golden strahlende Gestalt des Kindes sah, dessen Körperteile voller glückverheißender Zeichen waren, und als sie Seine göttliche Ausstrahlung bemerkte, empfand sie große Zufriedenheit. Durch ihre mütterliche Zuneigung und Liebe war ihr, als schmelze ihr Herz.
Am Tag, an dem die Mutter und der Sohn ihr Bad nahmen und das Wochenbett verließen, gab ihnen Sita Thakurani noch einmal Kleider und Schmuckstücke. Dann erwies sie dem Vater, Jagannatha Misra, ihre Ehre. Und als die Eltern ihrerseits auch ihr Ehre erwiesen, fühlte sie sich sehr glücklich und kehrte bald darauf nach Hause zurück.
So waren alle Wünsche von Saci und Jagannatha Misra erfüllt, da sie einen Sohn bekommen hatten, der der Gemahl der Glücksgöttin war. Ihr Haus war immer mit Reichtümern und Getreide gefüllt. Wenn sie den Körper Sri Gauraharis sahen, nahm ihre Freude Tag für Tag zu.
Jagannatha Misra war ein vorbildlicher Vaisnava (Geweihter Visnus; bzw. Bhakta). Er war friedfertig, von materiellem Sinnengenuß zurückgezogen, rein und selbstbeherrscht. Es gab in ihm kein Verlangen den Reichtum, den er durch den Einfluß seines göttlichen Sohnes bekam, zu genießen. Was immer er erhielt, spendete er den Brahmanas, damit sie Visnu erfreuen konnten.
Nilambara Cakravarti wurde durch die astronomische Berechnung des Augenblicks der Geburt sehr erfreut. Im Vertrauen sagte er zu Jagannatha Misra, daß alle Merkmale einer großen Persönlichkeit sowohl im Körper als auch im Augenblick der Geburt des Kindes zu sehen sind. Er sah, daß dieses Kind alle drei Welten befreien würde.
So erschien Sri Caitanya Mahaprabhu aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit im Hause Mutter Sacis. Sri Caitanya ist zu jedem, der diese Erzählung über Sein Erscheinen hört, sehr barmherzig. Eine solche Person bekommt Seine Lotosfüße.
Jeder, der die Form eines menschlichen Körpers bekommen hat und nicht über die Eigenschaften Sri Gauras hört, dessen Geburt wird völlig nutzlos. Wer die Gelegenheit bekommt, aus einem Nektarfluß zu trinken, aber es vorzieht, das Wasser aus dem Giftloch materiellen Glücks zu trinken - für ihn wäre es besser nicht gelebt zu haben, sondern lange zuvor gestorben zu sein.
Indem ich die Lotosfüße von Sri Caitanya Mahaprabhu, Nityananda Prabhu, Advaita Acarya, Svarupa Damodara, Rupa Gosvami und Raghunatha dasa Gosvami als mein Eigentum auf meinen Kopf setze, habe ich, Krsnadasa Kaviraja, so die Ankunft Sri Caitanya Mahaprabhus beschrieben.

 

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Sanskrit-Worterklärung

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