Sri Caitanya zeigt den Bhaktas Seine vielfache Gottesgestalt
Bestrafung Mukundas / Bestrafung der Mutter
(Caitanya-bhagavata II,8)
So geschahen täglich wundersame Dinge, doch außer einigen wenigen Bhaktas des engsten Kreises wußte niemand davon.
Mit Seinen Bhaktas tat Er Kirtana in Navadvipa. Seine ewigen Begleiter, die an verschiedenen Orten geboren waren, kamen einer nach dem anderen nach Navadvipa und alle wußten, daß Gott, der Herr, Avatara geworden war. Alle Herzen waren voller Glück und die Vaisnavas, die Seine Offenbarung gesehen hatten, waren furchtlos und überwältigt von höchstem Glück.
Er betrachtete alle Seine Gefährten als Seinem eigenen Leben gleich und Er, nach dem die Veden ununterbrochen suchen, war hier und umarmte alle in Prema. Er geht in die Häuser aller Seiner Bhaktas und in jedem Haus zeigt Er die vierarmige oder die sechsarmige Gestalt und andere (ewige Gottesgestalten). Je nach ihrem guten Geschick sehen Seine Bhaktas, die Diener Seiner Füße, die entsprechende Gestalt.
Auf unterschiedliche Weise die Bhakti zu Krsna offenbarend, treibt Er im Ozean des Glücks (der Bhakti).
Die Mutter treibt (ebenfalls) in Glück dahin, doch in ihrem Herzen ist Sorge: "Wird Er eines Tages das Haus verlassen?" und als sie Ihn zum Baden in der Ganga schickt, sagt Er bloß: "Mutter, sag: 'Jaya Krsna, Rama!'" Wenn sie Ihn etwas fragt, so sagt Er nichts außer: "Krsna, Krsna!"
Sein Versunkensein (in die liebevollen Gefühle seiner Bhaktas, wie Uddhava, Prahlada usw.) ist unbeschreiblich und jedes Mal ist es denen, die ein solches Versunkensein schon gesehen haben, als ob sie es noch nie zuvor gesehen hätten.
Eines Tages kommt ein Bettler, der Siva-Lieder singt und auf einer Trommel dazu spielt, um an Prabhus Tor zu betteln; er singt und tanzt. Als Visvambhara von den überweltlichen Eigenschaften Sivas hört, wird Er die Gestalt Sivas mit dem hohen Haarschopf und Er springt auf die Schulter des Bettelsängers und ruft: "Ich bin Sankara (Siva)!" Und Mahaprabhu fordert ihn auf: "Sing, Sing!"
Der Bettler, ein wirklich großer Mensch, singt und singt Siva-Lieder und erhielt wirklich alles an einem Orte - denn in seinem Wesen war kein Vergehen und deshalb hatte er das große Glück, daß Gauracandra auf seinen Schultern stand. Als Visvambhara wieder Bewußtsein der Außenwelt hatte, gab Er Selbst Gaben in den Bettelsack und der Bettler hatte das Ziel seines Lebens erreicht; die Rufe "Hari! Hari!" erfüllten die Luft.
Dann ruft Mahaprabhu die einzelnen Bhaktas, je nach ihrer inneren Wesensart und nennt sie bei den Namen, die sie in der früheren Lila hatten: Balarama, Siva, Suka, Narada, Prahlada, Laksmi, Brahma, Uddhava usw. und macht unter Vorwänden (Worten, die andere nicht verstehen) offenbar, wer jeder ist...
Doch nur diejenigen, die von Beginn an hereingelassen waren, durften diesen Tanz sehen, niemand anderes. Gaura hatte den strengen Befehl gegeben, die Tür immer fest zu verschließen, damit die Außenstehenden keinen Zutritt hätten. Viele eilten herbei, von dem Kirtana angelockt, doch mußten sie draußen bleiben vor dem Tor. Tausende riefen: "Wir wollen auch sehen. Öffnet die Tür." Die Vaisnavas waren alle in das Singen der heiligen Namen Krsnas versunken. Sie wußten nicht einmal von sich selbst - von anderem gar nicht zu reden. Die Atheisten unter denen, die nicht herein durften, fingen böse an zu lästern: "Sie betteln ihr Essen zusammen und essen heimlich (Leckerbissen); sie trinken Wein... Nimai ist in schlechte Gesellschaft geraten. Sie sind mit Mantras, Wein und Mädchen beschäftigt!" Die Bhaktas hören das alles nicht, sie singen und tanzen. Ein Jahr war viele Weltalter und doch wußte niemand davon im Glück, Caitanya dienen zu dürfen. So wie eine Nacht in der Rasa-Lila viele Weltalter währte und den Gopis wie ein Augenblick schien, so war die Offenbarung, das Aufleuchten der unfaßbaren Sakti Krsnas.
(Caitanya-bhagavata II,9)
Dann greift Mahaprabhu einzelne Bhaktas heraus und berichtet von Seinen geheimen Taten mit ihnen. So fragt Er Srivasa: "Erinnerst du dich, wie du zuhörtest, als Devananda das Bhagavatam vortrug und erklärte. Da das Bhagavatam durch und durch aus Prema-rasa besteht, wurde dein Herz weich, als du zuhörtest und du fingst laut zu weinen an. Die Leute, die nicht wissen, was Bhaktiyoga ist, verstanden nicht, warum du laut weintest. Du selbst hattest kein Bewußtsein der Außenwelt mehr und unter der Gewalt der Prema zeigten sich bei dir Veränderungen wie Tränen usw. Da brachten dich die Zuhörer hinaus vor die Türe und Devananda hinderte sie nicht daran; denn er, der Guru (Lehrer), wußte genau so wenig, was Bhakti ist, wie seine Jünger. Sie ließen dich vor der Türe und du saßest allein und wolltest doch so gerne mehr vom Bhagavatam hören. Da kam Ich (aus Vaikuntha) und war in deinem Herzen und gab dir Meinen Premayoga. Du hörtest das Bhagavatam und deine Prematränen benetzten die Erde." (Premabhakti-yoga ist die Macht, beim bloßen Hören des Bhagavatam die völlige Einheit der Worte, die von der Lila berichten und der Lila selbst zu erkennen. Doch erst auf der Prema-Stufe des erkennenden liebenden Gottdienens kann das Aufleuchten der ewig seienden Lila erfolgen.)
So gibt er allen den anwesenden Bhaktas, von Advaita angefangen, Erkenntnis von dem, was Er mit ihnen tat. Er bleibt unverwandt der Herr, der alle Verehrung und Puja entgegennimmt. Er läßt Sridhara rufen, damit er Seine Offenbarung erleben könne. Sie gehen zu ihm, dem Armen, der das Innere der Bananenstauden verkauft - und nie mehr als Preis verlangt, als was angeboten wird. Sridhara sang die ganze Nacht schlaflos den Namen Krsnas, laut und zum großen Ärgernis der Atheisten, die meinten, er schreie in der Nacht, weil er vor Hunger nicht schlafen könne. Doch er kümmert sich um nichts und singt in der Nacht in Premayoga laut den Namen.
Auf halbem Weg begegnet Sridhara den Bhaktas. Er wird ohnmächtig im Glück der Prema, als er hört, daß Gaura ihn rufen läßt. Sie heben ihn auf und bringen ihn schnell zu Ihm. Im Angesicht Visvambharas wird er gefaßt. Gaura fordert Sridhara auf, Seine Gestalt zu sehen. Dieser sieht die (dunkelblau leuchtende) Syama-Gestalt mit der Flöte, zur rechten Seite Balarama; (er sieht) wie Brahma und alle Devas, Sanaka, Narada, Suka, die Prakrti und Laksmi Ihn preisen. Sridhara wird (wieder) ohnmächtig, doch Mahaprabhu befiehlt ihm aufzustehen. Er erhebt sich und Gaura fordert ihn auf, Ihn zu preisen und Sridhara singt ein Preislied zu Seiner Verherrlichung.
Unter anderem sagt er: "Einst warst Du in Gokula, heute in Navadvipa. Du hieltest so lange die Bhakti in Deinem Inneren verborgen. Durch Bhaktiyoga erkannte Bhisma auf dem Schlachtfeld, wer Du bist. Durch Bhaktiyoga band Dich Yasoda (Bha X,9.1-23). Durch Bhaktiyoga ließest Du Dich von Deinem Hirtenfreund Sridama in Vraja besiegen (Bha X,18.24). Um der Bhakti willen ließest Du Dich besiegen und Du liefst (hier in Navadvipa) umher und hieltest die Bhakti geheim. Doch nun ist diese Verstellung vorbei. Jetzt stehen alle vor Dir als dem Herrn und bitten Dich um Bhakti."...
Mahaprabhu versucht, ihm Gaben, große Yogamächte anzubieten, doch Sridhara bittet nur: "Gib mir eine Gabe - daß dieser Brahmana (Sri Caitanya) Sich täglich meine Bananen hole, daß dieser Brahmana von Geburt zu Geburt mein Herr sei, daß dieser Brahmana mit mir streite. Laß die Lotosse Deiner Füße mein Herr sein."
Sridhara weint laut und alle Bhaktas sind überwältigt und weinen. Visvambhara bietet Sridhara lachend die Gabe an, ein König in einem reichen Lande zu sein. Doch Sridhara will es nicht, will nur die Gabe, immer Seinen Namen singen zu dürfen. Mahaprabhu sagt: "Sridhara, du bist Mein Diener. Du hast Meine Offenbarung als Herr gesehen und doch ändert sich dein Sinn nicht. Ich gebe dir Bhaktiyoga, wie er sogar den Veden verborgen ist." Die Bhaktas jubeln.
Reichtum? Nichts! Familie? Nichts! Wissen? Nichts! - Wer vermag alle diese Diener Caitanyas zu verstehen? Was bedeutet ihnen Wissen, Besitz, Schönheit, Ruhm, angesehener Familienstand? Es führt nur zu Stolz und erweist sich als wertlos. Das, was der Bananenverkäufer Sridhara erhielt, das haben in Millionen von Zeitaltern die größten Reichen nicht erhalten. Wer hat wohl die Kraft zu erkennen, wer ein Vaisnava ist. Er hat alle Yogamächte (siddhi) - doch sieht es aus, als ob er im Elend wäre. Beweis dafür ist Sridhara selbst, der nur die Bhakti begehrte und alle acht Yogamächte verachtete. Alles Leid, das ihr im Leben eines reinen Vaisnava seht, wißt, daß es Freude höchsten Glücks ist. Doch diejenigen, die von Sinnesdingen geblendet sind, wissen nichts und trunken von Gelehrsamkeit und Reichtum, erkennen sie den Vaisnava nicht.
(Caitanya-bhagavata II,1O)
Dann ruft Er Nada und fordert ihn auf, eine Gabe zu erwählen. Doch Advaita sagt: "Was ich erbat, das erhielt ich schon." Und Er brüllt (in Ekstase) und niemand vermag etwas zu sagen.
Das große Aufleuchten der Offenbarung geht weiter. Gadadhara gibt Prabhu Betel, Nityananda hält den Schirm, Advaita und andere große Bhaktas sitzen vor Ihm. Er ruft Murari und fordert ihn auf, Seine Gestalt zu sehen. Murari sieht Rama, zur linken Sita, rechts Laksmana und Scharen von Affen die Rama preisen. Murari sieht es nur einen Augenblick, dann fällt er ohnmächtig hin. Er war Caitanya in die Falle gegangen. Da ruft Visvambhara: "Murari steh auf, du bist Mein Leben. Ich bin Rama. Du bist Hanuman. Schau her und verehre Sita, denn als du ihr Leid sahst, weintest du." Er fordert Murari auf, eine Gabe zu wählen, doch Murari will nichts als: Immer Seinen Namen singen und in jeder Geburt mit jenen beisammen sein, die Mahaprabhus Diener sind!
Alle Vaisnavas lieben Murari sehr. Murari (der Arzt) ist der Geliebte des Murari Bhagavan in jeder Herabkunft (Murari ist ein Gottesname: Feind und Töter des Dämons Mura.) Caitanya sagt: "Hört alle zu. Wer immer Murari lästert, auch nur ein einziges Mal, Millionen Male Baden in der Ganga werden ihm nicht helfen. Beim Namen von Hari und Ganga sage Ich: Ich werde ihn schlagen! Verborgen (gupta) wohnt Murari (Bhagavan) in seinem Herzen, deswegen heißt er Murari Gupta." Alle Vaisnavas weinen, ob der großen Gnade, die Er Murari erwies. Murari und Sridhara liegen vor Ihm und weinen und Er ißt Betel und donnert und donnert.
Dann ruft Mahaprabhu Haridasa und fordert ihn auf, Ihn anzuschauen und sagt: "Du bist größer als Mein eigener Körper, deine 'Kaste' ist Mir teuer! (Haridasa ist kastenlos als Moslem.) Als die Mohammedaner dich quälten, da zerriß es Mir das Herz. Als sie dich in der Stadt herumschleppten und schlugen, kam Ich, von deinem Leid ergriffen, aus Vaikuntha mit dem Cakra in der Hand, um sie alle zu erschlagen. Doch du dachtest nur an das Wohl derer, die das Leben aus deinem Körper heraustreiben wollten. Bei allen Schlägen hattest du keine üblen Gedanken gegen sie, die dich schlugen, sondern wolltest Heil für alle und da konnte Ich keine Gewalt anwenden und das Cakra, das Ich um deinetwillen mitgebracht hatte, war zwecklos. Ich konnte wegen deines Entschlusses, nur Gutes für sie zu wollen, keinen erschlagen und da habe Ich, ungesehen, alle die Schläge auf Meinen eigenen Körper genommen. Schau her und sieh die Male selbst."
Bei den Worten des Herrn voller Gnade und Erbarmen fiel Haridasa in Ohnmacht zu Boden. Kein Bewußtsein der Außenwelt, kein Anzeichen von Atem, versunken in Ananda. Mahaprabhu fordert ihn auf, aufzustehen und die Augen mit dem Aufleuchten Seiner Offenbarung zu füllen. Haridasa steht auf. Doch was kann er sehen, seine Augen weinen bloß. Haridasa sagt: "Herr, dem Ärmsten der Sünder, Gnade! Ich bin der Erbärmlichste, von allen Kasten ausgestoßen, wie soll ich Deine Größe preisen können? Wer mich berührt, muß sofort baden!" Haridasa bittet, immer an Ihn denken zu dürfen. "Ich bin nicht würdig, Dich anzuschauen. Nur um eine Gabe bitte ich." Mahaprabhu sagt: "Sprich es aus, sprich es aus! Da ist nichts, was Ich dir nicht geben könnte, alles ist dein!" Haridasa bittet mit gefalteten Händen: "Gib mir Herr, mir dem Armseligen, eine große Hoffnung. Mag ich das zu mir nehmen dürfen, was Deine Diener, die den Lotossen Deiner Füße dienen, beim Essen übrig lassen. O Du Sohn Sacis, Herr, Vater, habe Gnade. Laß mich ein Hund an der Türe Deiner Bhaktas sein."
(Die Reste der Speisen, welche die großen Bhaktas berührt und dadurch geheiligt haben, besitzen läuternde Gnadenkraft. Sie sind zu Prasada geworden.)
Voll Premabhakti sagt Mahaprabhu: "Hör zu, Mein Haridasa, wer auch nur einen Tag mit dir zusammen weilt, mit wem du auch nur einen Augenblick sprichst, er wird sicherlich zu Mir kommen, so ist es und nicht anders. Wer gläubiges Vertrauen zu dir hat, der hat gläubiges Vertrauen zu Mir. Ich weile immerdar in deinem Körper. Durch dich vermag einer zu erkennen, daß Ich der Herr von Vaikuntha bin. Du hältst Mich ewiglich in deinem Herzen gebunden. Ich gebe dir solche Bhakti, daß du nie ein Vergehen begehen wirst - weder zu Mir noch zu Meinen Vaisnavas." Und alle Vaisnavas jubeln.
Geburt, Familie, Werke, Reichtum erreichen nichts. Ohne innere Qual des sich Erbärmlichwissens (arti) erreicht man den Reichtum der Prema zu Krsna nicht. So wie Prahlada ein Dämon zu sein scheint und Hanuman ein Affe, so scheint Haridasa von niedrigster Geburt zu sein.
Bestrafung Mukundas
Mukunda aber saß draußen, hinter einer Wand des Hauses und hatte nicht die Kraft vor Ihn hinzutreten. Alle Bhaktas lieben ihn sehr, denn alle wissen um sein Herz und Leben. Er tut dauernd Kirtana und lauscht Mahaprabhu und niemand weiß, warum er so hart bestraft wird. Weder ruft ihn der Herr, noch vermag er selbst zu kommen. Alle grämen sich um seinetwillen. Da sagt Srivasa: "Vernimm, o Herr der Welten, was für ein Vergehen hat Mukunda gegen Dich begangen? Du liebst ihn, er ist unser aller Leben; wir werden doch alle von Mukundas Gesang ergriffen! Er ist so stark der Bhakti gewidmet, immer bedacht, kein Vergehen zu begehen und niemanden zu mißachten. Wenn er doch ein Vergehen begangen hat, dann bestrafe ihn und gib ihm in Gott gegründeten Frieden. Warum hältst Du einen Diener von Dir fern? Wenn Du ihn nicht rufst, vermag er nicht vor Dich hinzutreten! O Herr, tue das Beste für ihn."
Mahaprabhu: "Sage das nicht noch einmal! Wage nicht, noch einmal um dieses Bürschlein willen Mich zu bitten. Er ist heute genau so wie früher - bald mit Grashalm im Mund, (Zeichen tiefster Demut, sich niedrig wie Vieh zu dünken) bald angriffslustig mit dem Stock in der Hand. (Mit einer Hand berührt er Meine Füße und mit der anderen Hand würgt er Meine Kehle.) Dieses Bürschchen mit dem Grashalm und dem Stock darf Mich nicht sehen."
Da sagt der große Bhakta Srivasa, ein guter Sprecher: "Wer ist berufen, Deine Worte zu verstehen. Wir vermögen doch in Mukunda keinen Fehler zu entdecken. Wir sagen das unter Berufung auf die Lotosse Deiner Füße, die Furchtlosigkeit schenken."
Mahaprabhu sagt: "O dieses Bürschchen! Je nachdem, wo er hingeht, redet er entsprechend und gebärdet er sich. Mit Advaita zusammen liest er Yoga-Vasistha und dann tut er wieder, als ob er in Bhakti-yoga wäre, kommt und tanzt und singt, mit dem Grashalm im Mund. Wenn er zu Leuten von anderer Richtung geht, dann redet er so wie sie, hat keine Achtung für Bhakti und geht Mir an die Kehle und sagt: 'Es gibt etwas, was größer als Bhakti ist.' So schlägt er Mich immer wieder und wieder! Er vergeht sich gegen die Bhakti und deshalb darf er Mich nicht sehen."
Mukunda hört das alles von draußen und vernimmt, daß er Ihn nicht sehen dürfe. "Mahaprabhu weiß, daß ich einstmals, unter dem Einfluß meines früheren Guru, die Bhakti ablehnte, die Caitanyas eigene Sakti ist." So dachte Mukunda und beschloß: "Es gebührt sich nicht, diesen Körper, in dem ich Vergehen begangen habe, länger zu behalten. Von diesem Körper will ich mich lossagen." Mukunda fragt Srivasa: "Sag, was hat Mahaprabhu gesagt? Wann werde ich Seine Offenbarung als Gott, der Herr, sehen dürfen?" Mukunda weint bitterlich und sein Leid fühlend, weinen alle Bhaktas.
Mahaprabhu sagt: "Wenn er eine Million Geburten hinter sich hat, darf er Mich zweifellos sehen." Da wurde Mukunda, der Diener Sri Caitanyas, von Ananda-Glück überwältigt und er wiederholt in Tränen, daß er Ihn nach Millionen Leben sicher sehen werde: "Ich werde sehen dürfen, ich werde sehen dürfen!" Er fing an zu tanzen, von Prema überwältigt. Er tanzt und sie alle hören seine Worte: "Ich werde sehen!"
Da lacht Mahaprabhu und sagt: "Ruft sofort Mukunda!" Sie alle rufen: "Mukunda, komm her!" Mukunda wußte nicht warum, doch freute er sich ein wenig. Mahaprabhu sagt: "Dein Vergehen ist fortgewischt! Komm, schaue Mich, erhalte dein Gnadengeschenk." Die Bhaktas, alle in Ananda, erfaßten ihn und brachten ihn vor Ihn und Mukunda sah die Isvara-Offenbarung Caitanyas und stürzte zu Boden. Mahaprabhu: "Steh auf, steh auf, Mein Mukunda. Da ist kein Stäubchen von Vergehen mehr in dir. Was du tatest, war die Folge davon, daß du dich nicht in Gesellschaft der rechten Menschen aufhieltest. Jetzt hat die Bhakti in dir Mich besiegt; denn als du hörtest, daß du Mich nach Millionen Geburten zu sehen bekommst, hast du dich gefreut, daß du Mich sicher sehen wirst, auch wenn es nicht heute, sondern nach Millionen Geburten sein wird. Du hast fest geglaubt, daß Meine Worte wahr sind und du sicherlich Meinen Anblick erhalten wirst - dadurch hast du Mich für immer in dein Herz gebunden. Du bist Mein Sänger, du bleibst bei Mir; es war nicht ernst gemeint, was Ich von Millionen Geburten sagte. Wenn du Millionen Vergehen begehst, sie sind unwahr, du wirst Mir immer lieb und teuer sein. Dein Körper besteht aus Bhakti, du bist Mein Diener. Auf deiner Zunge wohne Ich immerdar."
Als Mukunda die ermutigenden Worte Mahaprabhus hörte, weinte er und klagte sich selbst an und schalt sich: "Dieser mein fauler Mund stimmte nicht zu, daß Bhakti das Höchste ist. Ich habe keine Bhakti. Was tut es gut, Ihn sehen zu dürfen. Kann es Freude ohne Bhakti geben? Wie ging es dem Duryodhana? Krsna zeigte ihm Seine Allgestalt (Mahabharata Udyoga-Parva 130-131), welche die Veden zu ergründen sich mühen; Duryodhana sah sie - und doch ging er mit seinem Geschlecht erbärmlich zugrunde! Er hatte keine Freude bei Seinem Anblick; - warum? Es mangelte ihm an Bhakti (Vgl. Bha IV,29.45: "Sie sehen Ihn und doch sehen sie Ihn nicht..."). O weh, daß dieser mein fauler Mund nicht um Bhakti bat. Was hilft es, Ihn sehen zu dürfen - die Freude des Prema kann mir nicht zuteil werden! Durch die Kraft des Bhaktiyoga vermag der Ananta wie im Spiel unendlich viele Universen zu tragen - auf jedem seiner Tausenden von Häuptern so wie ein Tröpflein - und er ist trunken vom Singen Deines Ruhmes und trägt alles, er, der selbst doch ohne Grundlage und Stütze ist. - Wieso vermag er es? Durch die Kraft des Bhaktiyoga. Weil ich sündigen Sinns nicht um Bhakti bat, kann es in zahllosen Geburten mit mir nicht aufwärts gehen. Durch Bhaktiyoga wurde Narada zum großen Seher. O ich armseliger Wurm, daß ich nicht um Bhakti bat, denn ohne Bhakti habe ich nicht die Sakti, Dich zu sehen!"
Mukunda reckt die Arme hoch und weint, Mukunda, der große Diener. Der Körper zittert unter seinen heftigen Atemstößen. Mukunda ist ein Bhakta, der außer Ihm nichts kennt, er ist von Ewigkeit her Ihm eigen. Wie soll ich ihn beschreiben? Er zählt zu denen, die Caitanya sehr, sehr lieb sind. Er, Gaura, schämte Sich ein wenig, als Er Mukundas Niedergeschlagenheit sah. Er scheut Sich immer, als Herr letzte Wahrheiten auszusprechen, (Er hatte mehr gesagt, als Mukunda ertragen konnte) und Er sagt: "Die Bhakti des Mukunda ist Mir sehr lieb und teuer! Wo immer du auch singst, dort werde Ich sichtbar werden! Was du sagtest, es ist nur zu wahr: Ohne Bhakti ist alles umsonst, selbst wenn einer Mich mit seinen Augen sieht! (Gemeint ist nicht etwa ein Sehen mit Augen der "Frömmigkeit" mit denen man etwas subjektiv sieht, was objektiv gar nicht da ist. Ohne Gottes eigene Erkenntniskraft [bhakti] sieht man, auch wenn man den edelsten Charakter und die größte Tugend hat, höchstens einen einzigartigen Menschen. Das, was die ewige Wirklichkeit tatsächlich ist, sieht nur Gottes eigene Erkenntniskraft, die Bhakti; nur mit ihrer Hilfe, kann man sehen, wer tatsächlich Gott ist.) Alles, was du, Mukunda, sagtest, das alles sind Meine Worte. Wie sollten auch andere Worte auf deine Lippen kommen. O Mukunda, Ich verteile die Bhakti; durch deine Gesänge will Ich Bhakti austeilen! Sieh her, alle die Vaisnavas hier, sie werden tief erfaßt, wenn du singst. So wie du Mir lieb und nahe bist, so mögest du allen diesen großen Bhaktas hier lieb sein. Wo immer auch Ich Avatara werde, dort wirst du Mein Sänger sein!"
Bestrafung der Mutter
(Caitanya-bhagavata II,22)
Eines Tages saß Mahaprabhu wieder auf dem Throne Visnus und offenbarte, daß Er der Herr, Gott Selbst, ist. Er teilt Bhaktiyoga aus und Er gewährt, was ihnen lieb ist, Bhakti zu Ihm, die sie für sich selbst und für andere erbitten. Lachend gibt Er allen Premabhakti.
Srivasa: "Gib der Ai (Caitanyas Mutter Saci) Premabhakti; alle wünschen es." Mahaprabhu: "Sag das nicht, Srivasa! Ich werde ihr nicht Prema geben. Sie beging ein Vergehen (aparadha) gegen Vaisnavas; das steht der Premabhakti im Wege."
(Unter dem Einfluß der Yoga-maya [der Lila-Sakti des Herrn] beging Seine Mutter ein Vergehen gegen Advaita [Advaita: der Zweitlose, der Unvergleichliche], den sie Dvaita [das bedeutet: der Entzweier] nannte. Sie tat das, weil sie meinte, daß Visvarupa, ihr älterer Sohn, unter dem Einfluß Advaitas das Haus verlassen hatte und Sannyasi [Mönch] geworden war.)
Srivasa, der große Sprecher sagt: "Wenn es so ist, dann wollen wir alle den Körper aufgeben. In ihrem Schoße bist Du sichtbar geworden; wie ist es möglich, daß sie nicht des Premayoga würdig ist! Sie ist unser aller Leben, sie ist die Mutter aller. O Herr, gib Deine Verstellung auf, schenke ihr Bhakti! Du bist ihr Sohn und sie ist die Mutter aller Mütter. Ein Kind wägt nicht das Vergehen seiner eigenen Mutter. Falls sie auch ein Vergehen gegen einen Vaisnava begangen hat, begnade sie und hebe somit ihr Vergehen auf."
Mahaprabhu: "Ich lehre euch dies: Ich kann ein Vergehen gegen einen Vaisnava nicht wegnehmen, es sei denn der Vaisnava selbst verzeiht es, wenn er darum gebeten wird. Sie beging ein Vergehen gegen den Nada. Wenn sie von ihm Verzeihung erhält, dann nur erhält sie die Gnade (prasada) von Prema. Wenn sie den Staub der Füße Advaitas auf ihr Haupt nimmt und Advaita ihr vergibt, dann wird sie Premabhakti erlangen; das ist Meine Regel!"
Da gingen die Bhaktas zu Advaita und berichteten alles. Er vergegenwärtigt sich sofort den von Zeit und Raum unbegrenzten Gott (Visnu) und sagt: "Wollt ihr mir mein Leben rauben! In ihrem Schoß wurde Nimai Avatara, sie ist meine Mutter, ich bin ihr Kind. Ich bin der Empfänger des Staubs der Füße der Ai. Ich verstehe nichts von ihrer Größe. Sie ist Visnu-Bhakti, sie ist die Ai, sie ist die Mutter der Welt. Wie könnt ihr von so etwas überhaupt reden. Obwohl es nur ein Wort dieser Welt ist und ein Wort der Volkssprache (im Sanskrit: Arya, die Edle) so nimmt doch die Kraft des bloßen Wortes Ai alles Leiden hinweg, wenn es jemand ausspricht.
Sie ist die Ganga, sie ist die Ai, kein Unterschied besteht zwischen beiden. Devaki-Yasoda, das ist sie."
Während er sprach, versank er (in ihre Größe) und verlor das Bewußtsein der Außenwelt. Da verstand die Ai, daß ihre Zeit gekommen war, kam aus dem Inneren des Hauses heraus und nahm den Staub von den Füßen Advaitas und salbte damit ihr Haupt; obwohl sie die Größte aller Vaisnavas ist, Bhakti in Gestalt, die sogar die Kraft hat, Ihn in ihrem Schoß zu tragen. Als sie den Staub von Advaitas Füßen nahm, wurde sie überwältigt von Prema und verlor das Bewußtsein der Außenwelt. Da rufen die Bhaktas: "Er ist siegreich! Er ist siegreich!" - Daß Advaita ohne Bewußtsein der Außenwelt ist, geschieht durch die Größe und Kraft der Ai. Daß die Ai ohne Bewußtsein der Außenwelt ist, wird durch das Erleben der Größe und Kraft Advaitas verursacht. So überwältigt die Macht des einen den anderen.
Da lacht Visvambhara, der auf dem Throne Visnus sitzt und sagt zu ihr: "Jetzt sei dir Visnu-Bhakti zuteil, denn du hast keinen Aparadha mehr gegen Advaita." In dieser Weise lehrte Er, die Mutter als Beispiel nehmend, daß man sich vor Vergehen gegen die Vaisnavas hüten solle.
Inhaltsverzeichnis
Sanskrit-Worterklärung
Fortsetzung
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