BHAKTI - Das liebende Dienen

Bhakti im Sinne der Bhakti-Schriften ist Krsnas eigene Erkenntniskraft und die Kraft Seines Glücks, die von Maya unabhängig ist. Sie wirkt im Bhakta (dem Geweihten) als dienende erkennende Liebe und gibt volle Erkenntnis Krsnas oder einer Seiner Seinsweisen, Erkenntnis der Welt, des Atma als eines Funkens göttlicher Kraft und sie gibt die Erkenntnis des Brahman, welches nur die transzendentale Ausstrahlung um Krsnas ewige Cit-Gestalt ist.
Bhakti-Sakti gibt die Kraft mit Körper, Geist, Wort und Atma (Seele) zu dienen, korrekt und wirklichkeitsgetreu zu denken, und das Gehörte und in den Schriften Gesagte zu erfassen sowie korrekt zu formulieren. Dieses Wissen von Gott, Welt, Atma, Bhakta und Bhakti, das von der Bhakti-Sakti verliehen wird, ist Ausdruck der Liebe zu Krsna um Seinetwillen, nicht um des eigenen Ichs willen. Bhakti-Sakti (die Kraft der Bhakti) durchglüht Geist und Herz, sie macht dynamisch, frei von den Gunas der Maya.
Bhakti ist ewig. Jedes erreichte Ziel auf dem Pfad der Bhakti, betrachtet der Bhakta (der Geweihte Gottes) nur als einen Schritt auf dem unendlichen Pfad der Liebe zu Gott. Das Ziel echter Bhakti ist stets nur noch mehr und mehr und größere und tiefere Bhakti, weil sie unergründlich und unendlich ist, so wie Gott Selbst.
Krsna nennt die Bhakti, zu der das neunte Kapitel der Bhagavad-gita hinführt: "Den König des Wissens, den König aller Geheimnisse, das am meisten Läuternde; das was unmittelbar erfahren wird und außerordentlich leicht und mit Freude zu üben ist, und ewig ist."
Was ist nun das Wesen reiner Bhakti? Rupa Gosvami schreibt:

"Diese höchste Bhakti ist leer (frei) von allen anderen Begehren, sie ist von Karma*, Jnana usw. nicht verhüllt, sie ist ein ständiges sich auf Krsna Ausrichten und zu Seiner Freude tätig sein." (Bh.r.s. I,1.11)
(* Karma im Sinne frommer Tätigkeiten, die ein genußvolles Ergebnis in diesem oder dem nächsten Leben - z. B. Erhebung zu den Himmelswelten - hervorbringen.)
Im Grunde ist der Pfad der Bhakti einer ohne einen zweiten, doch je nach dem Zustand des Bhakta erscheint die Bhakti in mannigfaltigen Formen, wie vom Avatara Kapila in den folgenden Versen erklärt wird:
"Wer neidisch, stolz, gewalttätig, zornig und materialistisch ist, gilt als jemand, der Bhakti in der Erscheinungsweise der Dunkelheit (tamah-guna) darbringt."

"Die Verehrung der Bildgestalten im Tempel durch einen Separatisten* mit dem Motiv, materiellen Genuß, Ruhm und Reichtum zu erlangen, ist Bhakti in der Erscheinungsweise der Leidenschaft (rajah-guna)."
(* Ein Separatist ist jemand, der sein Interesse als getrennt vom höchsten Herrn sieht. Er denkt, dass es das Interesse des Herrn sei, die materiellen Wünsche seines Geweihten zu erfüllen. Er erwartet für seinen Dienst einen Lohn.)

"Wenn ein separatistischer Bhakta den höchsten Herrn verehrt und Ihm die Ergebnisse seiner Tätigkeiten darbringt, um sich von der Unzulänglichkeit lohnbringender Tätigkeiten zu befreien (z.B. um frei von negativen Reaktionen zu werden), befindet sich seine Bhakti in der Erscheinungsweise der Tugend (Reinheit; sattva-guna)."
(Bha III,29.8-10)

Die unreine Bhakti kann, aufgrund sehr unterschiedlicher Mischverhältnisse mit den Gunas der Maya, in dutzende Kategorien aufgeteilt werden.
Aber was ist nun das zur Freude Krsnas tätig sein?
Der Adept, der neue Bhakta, praktiziert den Sadhana-Bhakti, eine geordnete Disziplin, die viele Regeln beachtet. Diese Bhakti gilt als indirektes Dienen, bestimmt für diejenigen, die nicht mehr in Erfüllung ihrer gesellschaftlichen Position und ihres Lebensstandes Bhakti darbringen, sondern in der vorgeschriebenen Weise dienen, um einmal in Zukunft zur Freude Krsnas wahre Premabhakti, Gottesliebe, zu erhalten.*
(* Dieses Sadhana-bhakti kennzeichnet sich dadurch, daß die Motivation ist, reine Liebe zu Gott zu erlangen. Es ist nicht ein "Gottdienen", das aufgrund von Lebensstand oder gesellschaftlicher Position notwendig oder als Pflicht erscheint. Es ist das freiwillige akzeptieren von Regeln, die dem Adepten helfen sollen, seine reine spontane Liebe zu Gott zu erwecken.)
Doch hier taucht die Frage auf, wie soll ein solcher Adept auf der ersten Stufe der reinen Bhakti sich zu all den Dingen in dieser Welt verhalten, all die Dinge, die er eben erlebt und zu erleben er gezwungen ist. Alles Dinge, die ihn verwirren können, so lange er noch nicht ein wahrhaft Gottliebender ist, ein Premabhakta.
Krsna erklärt in folgender Weise dem Bhakta die Art, wie er mit den Dingen der Welt umgehen soll:
"An Meine Gestalt, die vierarmige, mit Muschel, Feuerrad, Keule und Lotos in den vier Händen, an diese vollkommen stille Gestalt in allen Wesen, in der Sonne, dem Feuer, dem Priester (Brahmana), den Kühen, den Vaisnavas; in Äther, Wind, Wasser, Erde und in dem eigenen Selbst (Atma) soll er mit ganzer Klarheit denken und Ihn, den Paramatma, verehren, wenn er ihnen Opfer darbringt. Die Opfer sind vedische Gebetsformeln; (Opfer) mit geklärter Butter; (Opfer in Form von) Gastfreundschaft (für die Menschen); Gras und anderes Futter (für die Tiere); echt freundschaftliches Willkommenheißen usw.; (Opfer sind auch) Denken an den Lebensatem; Mantras; Opferung von Wasser; Denken, daß der stille Zeuge, der Paramatma, in allen Wesen unparteiisch weilt."
(Bha XI,11.42-46)
Klar und deutlich erklärt Krsna, daß es keineswegs Gottesdienst sei, den notleidenden Menschen und Tieren zu helfen und zu dienen, wie ein religiöser Mensch, der keine klare Erkenntnis hat, oft meinen mag. Nicht der Mensch, das Tier usw. sind der Gegenstand dienender Verehrung, nicht einmal der individuelle Atma in jedem der Wesen, der Atma, der durch Gottabgewandtheit in diese Formen der Maya geraten ist, sondern der davon verschiedene, unabhängige Paramatma, der über allen Atmas steht. Der Paramatma, der das klare Wissen (Rad), die wehrende Kraft (Keule), die Weisheit des ewigen Wortes (Muschel) und die Leichtigkeit des Spiels (Lotos), mit der Er alles vollbringt, als Kennzeichen besitzt. Nicht dem Nächsten zu dienen, sondern dem in der Welt und in den Dingen und bei jedem Atma gegenwärtigen Paramatma zu dienen, ist in der Sadhana-Bhakti Gottesdienst.
Sri Krsna ist die Gestalt der unendlichen Lieblichkeit in Vraja-Goloka und Er ist die Gestalt der Lieblichkeit mit Majestät verbunden in Dvaraka und Er ist Gott der unendlichen Fülle der Majestät als Narayana in Vaikuntha. Krsna in jeder dieser drei Seinsweisen ist jedoch keineswegs in den Dingen der Welt, doch in Seinem Teilaspekt als der weltzugewendete Gott, als Paramatma, ist Er in allem, ohne davon berührt oder befleckt zu werden. Diesen Paramatma, der Höchste Atma über allen Atmas, der bei jedem individuellen Atma innerhalb der materiellen Schöpfung weilt und doch Seine ewige Einheit behält, soll der Adept im Geist haben, wenn er vor den Dingen der Welt steht. Dieses Bewußtsein über den Paramatma soll ihn davor bewahren, die Welt und die Wesen in ihr selbstsüchtig für sich auszubeuten.
Der Paramatma als stiller Zeuge und Beobachter veranlaßt durch Seine bloße Gegenwart, daß jeder erhält, was ihm entsprechend seinem Tun und Denken in früheren Leben zusteht.
Bhakti wird nur von einem Bhakta und Premabhakti nur von einem Premabhakta geschenkt, abgesehen von den seltenen Ausnahmefällen, da Gott Selbst als Avatara in die Welt herabkommt und Bhakti verleiht.
Krsna spricht zu Uddhava:
"Während die Gemeinschaft mit den Bhaktas bedeutet, daß man das Anhaften an allem anderen außer Mir aufgibt und Mich ganz und gar gefügig macht und festbindet (mit Liebe zu Ihm), vermögen das weder der Yoga der Erkenntnis vom Atma und Brahman, noch vom Paramatma und Seiner Beziehung zum Atma und der Welt, noch Erfüllung der religiösen Pflichten als Mensch, Studium der Veden, Kasteiung des Körpers, Entsagung der Welt, Opfer mit vedischen Formeln, Anlegung von Gärten und Brunnen zum Wohl der Menschen und Tiere, auch nicht Fasten und Gelübde, nicht rituelle Opfer, nicht geheime Gebetsformeln, nicht Besuch der Pilgerorte und auch nicht harte Zügelung des Geistes und der Sinne".
(Bha XI,12.1-3)
Die heimliche Bedeutung aller Wohltätigkeit, der Sinn aller Gastfreundschaft, aller Pilgerfahrten für den, der nach Bhakti strebt, ist mit Premabhaktas zusammenzutreffen.
Krsna zählt die Namen derer auf, die im Verlauf der Geschichte dieser Erde ohne jede besondere religiöse Disziplin, bloß durch das Zusammensein mit Seinen Bhaktas oder mit Ihm Selbst, das Höchste Ziel erreichten:
"Viele kamen in Mein Reich, selbst solche, die nicht von sattvahafter Natur waren, sondern vom Guna Rajah und Tamah überwältigt waren ..."
"Alle diese Personen hatten weder die Schriften studiert, noch haben sie sich zu diesem Zweck großen Lehrern genähert, noch haben sie harte Gelübde gehalten oder Askese geübt. Nur durch die Berührung mit Premabhaktas kamen sie zu Mir."
(Bha XI,12.5-7)
Das Leitmotiv aller Sadhana-Bhakti ist "Zuflucht zu nehmen". Erst dadurch werden die vielen Vorschriften der Vorstufe, die oft auch der weiter fortgeschrittene Bhakta noch übt, mit innerem Leben erfüllt.
Das Zufluchtnehmen ist sechsfach aufgeteilt:
1) Der Willensentschluß, das zu tun, was im Sinne Krsnas ist und Ihn erfreut und deswegen auch im Sinne des eigenen Atma ist.
2) Vollkommenes Aufgeben von dem, was dem vorher genannten entgegen steht.
3) Die Überzeugung: Er wird mich erretten!
4) Ihn erkennen und als den Erhalter erwählen.
5) Sich selbst dem Willen des Höchsten unterordnen.
6) Sich selbst nicht wichtig nehmen.
Das Samenkorn, aus dem der ganze Baum der Bhakti emporwächst, ist "Sraddha", Vertrauen, Glaubenszuversicht, daß das Gottdienen der Sinn des Lebens sei. Diese Sraddha kann man nicht durch Wollen erwerben. Ihr Wesen ist göttliche Gnade, die durch einen Bhakta geschenkt wird.
Krsna erklärt:
"Ich, der Ich den Gottgeweihten und Sadhus (den Heiligen) sehr lieb bin, werde durch unerschütterliches Vertrauen und hingebungsvollen Dienst erreicht. Dieses Bhakti-yoga-System, das Schritt für Schritt die Anhaftung an Mich vergrößert, reinigt selbst einen Menschen, der unter Hundeessern geboren wurde. Jeder kann durch den Vorgang des Bhakti-yoga auf die spirituelle Ebene erhoben werden."
(Bha XI,14.21)
Prahlada Maharaja erwähnt die neun Vorgänge des Bhakti-yoga (die am Schluß dieses Kapitels noch eingehender behandelt werden): hören, singen und lobpreisen, sich an Krsna erinnern, den Lotosfüßen des Herrn dienen, die Bildgestalt verehren, Gebete darbringen, sich als Diener des Herrn betrachten, Freundschaft mit Ihm schließen und Ihm alles (sein ganzes Wesen) hingeben.
Krsna-Caitanya sagt:
"Der wichtigste von den neun Vorgängen des Bhakti-yoga ist das ständige Singen und Verinnerlichen des heiligen Namens des Herrn. Wer den Namen singt und die Vergehen vermeidet, erlangt sehr leicht Liebe zu Gott (die von unschätzbarem Wert ist)."
(Cc III,4.71)
Krsnadasa Kaviraja Gosvami erklärt:
"Beim Singen des heiligen Namens Krsnas ist auf Vergehen zu achten. Daher gerät jemand, der Vergehen begeht, nicht in Ekstase, wenn er Krsnas Namen singt oder spricht."
(Cc I,8.24)
"Wenn man den erhabenen heiligen Namen des Herrn immer wieder singt oder spricht und sich dennoch seine Liebe zum Höchsten nicht entwickelt und keine Tränen in den Augen erscheinen, ist es offensichtlich, daß wegen der Vergehen beim Chanten (Singen, Sprechen oder Flüstern; vom engl. to chant) der Same von Krsnas heiligem Namen nicht sprießt."
(Cc I,8.29-3O)
Mehr dazu im 7. Kapitel: "Der heilige Name". Die fortschreitende Wirkung des Feuers der echten Bhakti wird von Jiva Gosvami in seinem Kommentar zum Bh.r.s. I,1.25 mit den folgenden fünf Versen aus dem Bhagavatam erklärt:
1) "Die Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, der der Wohltäter des aufrichtigen Gottgeweihten (Bhaktas) ist, entfernt den Wunsch nach materiellem Genuß aus dem Herzen des Gottgeweihten, der sich an Seinen Botschaften erfreut. Diese Botschaften sind in sich selbst tugendhaft, wenn sie richtig gehört und gechantet werden."
(Bha I,2.17)
Die Wünsche nach materiellem Genuß sind die im Herzen wuchernden Vasanas, die Lust- und Haßkeime aus vergangenen Leben, die unersättlich neue Lust begehren und die das, was die Lust stört, heftig abwehren. Die erste Wirkung des echten Feuers der Bhakti besteht in einer Reinigung des Herzens von diesen durch die Gunas genährten Trieben. Sraddha (Vertrauen) in die Worte eines echten Bhakti-Lehrers setzt ein. Es entsteht der Wunsch nach Gemeinschaft mit wirklichen Bhaktas (sadhu-sanga) und der Lehrer weist den Schüler an, eine bestimmte Form des Gottesdienstes als tägliche Disziplin zu üben (im gegenwärtigen Zeitalter gilt als grundlegende Disziplin das Singen der heiligen Namen Gottes).
2) "Wenn man regelmäßig aus dem Bhagavatam hört und dem reinen Bhakta dient, wird alles, was für das Herz leidvoll ist, fast gänzlich vernichtet, und liebevoller Dienst für den glorreichen Herrn, der mit transzendentalen Liedern gepriesen wird, wird zu einer unwiderruflichen Tatsache (naistiki)."
(Bha I,2.18)
Das ist die zweite Wirkung des Feuers der echten Bhakti. Die Stufe Nistha ist erreicht. Sie bedeutet Ausdauer, Nicht-mehr-Wanken, einspitzige Zielsetzung (auf Krsna), einen unumstößlichen Willensentschluß. Der Bhakta selbst ist sich dieser Nistha bewußt.
3) "Sobald der unwiderrufliche liebevolle Dienst im Herzen erwacht ist, weichen die Auswirkungen der Erscheinungsweisen (gunas) der Leidenschaft (rajah) und Unwissenheit (tamah), wie Lust, materielle Wünsche und Verlangen, aus dem Herzen. Dann ist der Bhakta in reiner (spiritueller) Tugend verankert und wird glücklich."
(Bha I,2.19)
Das ist die dritte Wirkung des Feuers der echten Bhakti. Eliminierung der Gunas der Maya. Das Bewußtsein und das Unterbewußtsein tauchen ein in die Svarupa-Sakti Gottes und dadurch erwirbt man die theoretische Fähigkeit zur Begegnung mit Krsna. Die Stufe Asakti, Anhangen, ist erreicht. Das Anhangen oder Anhaften an der Welt (und ihren Sinnesobjekten) erlischt und es manifestiert sich das Anhangen am Zentrum allen Seins (Krsna). Der Bhakta ist sich dieser Asakti nicht bewußt, sie ist ihm zur zweiten Natur geworden.
4) "So belebt, entsteht in demjenigen, dessen Herz gestillt (durch Krsna) und frei von Anhaftung (an Maya) ist, aufgrund von Bhaktiyoga zu Krsna, die Erfahrung Seines Wesens."
(Bha I,2.20)
Das ist die vierte Wirkung des Feuers der echten Bhakti. Die Stufe der Premabhakti ist erreicht. Die Erfahrung von Gottes Wesen kann das Erkennen (unmittelbares Wahrnehmen) Seiner Majestät als "Gott der Allmacht" oder "Seiner göttlichen Lieblichkeit" sein.
5) "Der "Knoten des Herzens" löst sich auf, alle Unklarheiten (und Zweifel) sind beseitigt und auch seine Karmas (Reaktionen auf sein Tun) finden ein Ende, wenn im Atma Gott erfahren wurde."
(Bha I,2.21)
Das ist die fünfte Wirkung des Feuers der echten Bhakti. Es ist nicht das Ziel, denn das Ziel ist Dienst und Liebe (Prema) zu Gott, sondern es ist eine Begleiterscheinung: die direkte Begegnung mit Gott. - Der "Knoten des Herzens", der sich aufgelöst hat, ist das Ahankara, das durch die große Maya bewirkte illusionäre Ichbewußtsein, das bisher den Atma denken ließ, er sei der feinstoffliche Geist und der grobe Körper.

Es ist eine wundersame Fügung, veranlaßt durch ganz besondere Barmherzigkeit Gottes oder ein starkes Streben nach echter Bhakti in einem vergangenen Dasein, wenn ein Neuling in einem Leben die in den beiden letzten Versen angedeutete Stufe der Premabhakti oder auch nur das Morgenrot der Premabhakti (rati) erreicht. Meistens führt ein Bhaktaleben höchstens zu Asakti (starkes Anhaften an Gott), dem spontanen Gefallenfinden am Singen der heiligen Namen Gottes, am Durchdenken und im Sinnbehalten der Bedeutung der Namen und des ewigen Reiches und auch der ewigen Gestalten des EINEN und Seiner Lila auf Erden.
Im zukünftigen Leben wird der Bhakta, d.h. der ewige vom an Materie Anhaften freie Atma, sehr rasch wieder die Stufe der Asakti erreichen und dann weiter zu einer neuen Dimension der Bhakti aufsteigen, die sich "Priti", "Bhava-bhakti" oder "Rati" nennt.

Krsnadasa Kaviraja schreibt:

"Krsna bietet dem Bhakta, auf dessen Wunsch, sofort materiellen Genuß oder sogar Befreiung (mukti). Doch Er gibt nicht zu jeder Zeit Liebe zu Gott (premabhakti), diese hält Er versteckt. Aber Sri Caitanya hat solche Liebe zu Krsna überall verteilt. Sogar an Jagai und Madhai* und von anderen braucht man gar nicht zu sprechen. Er ist als der höchste Herr völlig unabhängig. Daher verteilte Sri Caitanya Mahaprabhu, ohne äußerliche Dinge in Betracht zu ziehen, diesen Nektar der Liebe (zu Krsna), obwohl sie eine höchst vertraulich bewahrte Segnung ist. Noch heute kann man sehen, daß jeder, der Sri Krsna-Caitanyas Namen nimmt, von Liebe zu Gott (Krsna) überwältigt wird, und Tränen erfüllen seine Augen."
(Cc I,8.18/20-22)
(* Zwei Brüder, die sich als Fleischesser, Trunkenbolde, Schürzenjäger, Räuber und Diebe einen unrühmlichen Namen gemacht hatten.)

 

Inhaltsverzeichnis

Sanskrit-Worterklärung

Fortsetzung (4. Kapitel)


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