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Der Missbrauch des Glaubens
"Meinet nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser kleinsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Kleinste heissen im Reich der Himmel. Wer sie aber tut und lehrt, der wird gross heissen im Reich der Himmel." (Mt. 5.17-19)Gerade in Beziehung zur Einhaltung der Gesetze treffen wir auf schlimme Missinterpretationen. Die Abschiedsrede Jesu an seine Jünger wird oft zitiert, um damit zu begründen, dass alle Menschen, die nicht ausschliesslich an Jesu glauben, verloren seien. Liest man aber bei dem betreffenden Zitat weiter, ergibt sich von selbst ein ganz anderer undogmatischer Sinn dahinter: "Jesus sagt zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich." (Joh. 14.7)In den nächsten Versen erklärt Jesu wie der Vater durch ihn wirkt und verdeutlicht die obige Aussage mit der Aufforderung, seiner Botschaft und seinen Geboten nachzufolgen. "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue, auch tun und wird grössere als diese tun; denn ich gehe zum Vater, und was ihr in meinem Namen erbitten werdet, das werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr in meinem Namen etwas erbitten werdet, werde ich es tun. Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten, und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen andern Beistand geben, damit er in Ewigkeit bei euch sei." (Joh. 14.12 -16)Dann ermutigt er seine Geweihten, indem er ihnen verspricht, dass sie auf diese Weise nie alleine sein würden und drängt nochmals darauf, seiner Lehre und seinen Geboten nachzufolgen: "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. (Joh. 14.21)Schliesslich beendet er seine Abschiedsrede mit den Worten: "Aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so tue, wie mir der Vater geboten hat. Darum stehet auf, lasset uns von hier weggehen!" (Joh. 14.31)Eine klarere und dringlichere Aufforderung dem gelebten Beispiel Jesu, seinen Geboten und damit dem von ihm offenbartem Weg praktisch nachzufolgen, um zur Wahrheit und zum Leben zu kommen, kann man sich fast gar nicht mehr vorstellen. Es ist unglaublich, wie aus dieser Unterweisung Jesu ein monopolistisches Glaubenssystem gemacht wurde, in dem die eigentliche Botschaft vollständig verschwindet! Aber was waren denn nun die Gebote, die Jesu gelebt und gelehrt hat? Jesu sagt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Dies ist das grösste und erste Gebot." (Mt. 22.37/38)Dies ist die harmonische Essenz der Lehre Jesu. Er hat uns diese Lehre als Beispiel praktisch vorgelebt. Er war ständig in Gedanken an den Herrn versunken und diente Ihm liebevoll in jeder Sekunde seines Lebens. Er lobpries und predigte den Namen und den Ruhm des Herrn. Und er war allen barmherzig und gleichgesinnt. Dies wird in der Bibel an vielen Orten schön dargestellt. Doch in Unkenntnis vom Wesen der Seele wendete das institutionalisierte Christentum seine Frohbotschaft der Erlösung nur auf die Menschen an. Dem Missbrauch von Tier und Pflanzen wurde nicht grosse Beachtung geschenkt, obwohl Jesu selber, die Urchristen und später die wenigen verwirklichten Nachfolger, Tiere als Bruder und Schwester ansahen. Dass auch hier entsprechende Lehren Jesu nicht in die kanonisierte Bibel aufgenommen wurden, belegt folgender Abschnitt aus dem Evangelium des vollkommenen Lebens: "Und Jesus kam zu einem Baum, unter dem er mehrere Tage verweilte. Und dorthin kamen auch Maria Magdalena und andere Frauen, und sie brachten ihm Gaben, und er lehrte alle Tage alle, die zu ihm kamen. Und die Vögel sammelten sich um ihn und begrüssten ihn mit ihrem Gesang, und andere Geschöpfe krochen ihm zu Füssen und frassen ihm aus der Hand. Und als er fortzog, segnete er die Frauen, die ihm ihre Liebe bezeugt hatten, und er wendete sich zu dem Feigenbaume und segnete auch ihn. Und er sprach: 'Du gabst mir Obdach und Schatten gegen die brennende Hitze, und zu alledem gabst du mir auch Nahrung. Sei gesegnet, wachse und sei fruchtbar und lasse alle, die zu mir kommen, Ruhe, Schatten und Nahrung finden und lasse die Vögel der Luft ihre Freude finden an deinen Zweigen.' Und siehe, der Baum wuchs und gedieh ganz ungewöhnlich, und seine Äste breiteten sich immer mehr aus nach oben und nach unten, so dass kein ähnlicher Baum von solcher Schönheit und Grösse zu finden war und keiner, der so zahlreiche und köstliche Früchte trug wie dieser. Und Jesus kam in ein Dorf und sah dort eine kleine Katze, die herrenlos war, und sie litt Hunger und schrie. Und er nahm sie in seine Arme und hüllte sie in sein Gewand und liess sie an seiner Brust ruhen. Und als er weiter in das Dorf hineingekommen war, gab er der Katze Nahrung und Trank. Und sie ass und trank und zeigte ihm Dankbarkeit. Und er gab sie einer seiner Jüngerinnen, welche eine Witwe war mit Namen Lorenza, und sie nahm sie in Pflege. Und einige aus dem Volke sprachen: 'Dieser Mann sorget für alle Tiere. Sind sie seine Brüder und Schwestern, dass er sie so liebt?' Und er sprach zu ihnen: 'Wahrlich, diese sind eure Mitbrüder aus dem grossen Haushalte Gottes, eure Brüder und Schwestern, welche denselben Atem des Lebens von dem Ewigen haben. Und wer immer für die kleinsten von ihnen sorgt und ihnen Speise und Trank gibt als sie nötig haben, der tuet dieses mir, und wer es duldet, dass sie Hunger leiden, und sie nicht schützet, wenn sie misshandelt werden, erleidet dieses Übel, als ob er es mir zugefügt hätte. Denn ebenso wie ihr in diesem Leben getan habt, so wird euch im kommenden Leben getan werden." (34.2-10)Diese Unterweisung Jesu ist die Weiterführung dessen, was bereits im Alten Testament klar gelehrt worden war. Gott sprach: Hiermit übergebe Ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen." (1. Mos. 1.29)Von dem Verbot Tiere zu töten, gibt es nur eine Ausnahme: Wenn menschliches Leben direkt vom Tod des Tieres abhängt, wie z. B. bei einem Angriff oder einer Hungersnot (in der Bibel nach der Sintflut). Sehr aufschlussreich ist auch ein Gespräch zwischen Reverend Alvin V. P. Hart und dem Bhakti-Gelehrten Steven Rosen. Reverend Hart bemängelt die falsche Übersetzung des Bibelzitates 1. Mos. 1.28: Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan, und herrschet über die Fische im Meer und Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf der Erde sich regen! (1. Mos. 1.28)Offenbar war dieses Verständnis für die Urchristen um und nach Jesu selbstverständlich. Plinius bestätigt in seinem Brief an Trajan (Ep.lib.X. 96), dass die ersten Christen sich jeder Fleischnahrung enthielten. Als sie von Nichtchristen beschuldigt wurden, bei ihren Opfermahlen Menschenblut zu vergiessen, verteidigten sie sich mit den Worten: "Ihr, die ihr wisst, dass wir Tierblut verabscheuen, wie könnt ihr glauben, wir seien nach Menschenblut begierig?" (Das Evangelium des vollkommenen Lebens, 6. Auflage, Nachwort S. 253/54)Sogar Paulus, der offenbar eine sehr eigene Auslegung der Lehre praktizierte, sagte gemäss einer jüdischen Quelle folgendes aus: "Jesus befahl mir, dass ich kein Fleisch esse und keinen Wein trinke, sondern nur Brot, Wasser und Früchte, damit ich rein befunden werde, wenn er mit mir reden will." (Toledoth Jeschu, Ausgabe Krauss, Berlin 1902, S. 113)In diesem Lichte betrachtet, kommt auch der folgenden Paulus-Aussage Gewicht zu. Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoss wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anlass zu geben. (1.Kor. 8.13)In der kanonisierten Bibel stossen wir jedoch auf die gewohnten Missinterpretationen. Weil der Johannisbrotbaum auch den lateinischen Namen "locusta" Heuschreckenbaum trägt, machte man aus dessen Früchten Heuschrecken, von denen sich Johannes der Täufer in der Wüste ernährt haben soll. Auch die griechischen Worte opsarion, broma, brosis, phago, brosimos, trophe, proshagon bedeuten eigentlich Zubrot, Zuspeise, Nahrungsmittel oder essen und können nicht mit Fleisch oder Fisch übersetzt werden, was jedoch gang und gäbe ist (R. Zürrer, Die Bibel in ihrem eigenen Licht, 1987, S. 21). Weiter wird das oft als Verteidigung für das Fleischessen zitierte Gleichnis Mt. 15.11 völlig aus dem Zusammenhang gerissen, obwohl der eigentliche Sinn in der Bibel selbst klar zum Ausdruck kommt: "Nicht was in den Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen." (Mt. 15.11)Auf die Aufforderung von Petrus hin erklärt Jesu dann das Gleichnis: "Merkt ihr nicht, dass alles, was in den Mund hineinkommt, in den Bauch gelangt und an seinen Ort ausgeschieden wird? Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das ist es was den Menschen verunreinigt; aber essen mit ungewaschenen Händen verunreinigt den Menschen nicht." (Mt. 15.17-20)Dieses Gleichnis soll zur Erkenntnis führen, dass den äusserlichen Geboten, wie dem Hände waschen vor dem Essen, gegenüber der inneren Geisteshaltung nicht der Vorzug zu geben ist. Es bezieht sich also unmissverständlich auf das Essen mit ungewaschenen Händen, weil befürchtet wurde, es könnte eine verunreinigende Wirkung zeigen. Nur aufgrund einer egoistischen und materiellen Sichtweise, die sich auf das körperliche Erscheinungsbild bezieht, wollen die Menschen den Tieren eine Seele absprechen. Sie wollen vergessen, dass es ohne die Gegenwart der Seele ja gar kein Leben gibt. Denn sonst könnte man diese armen Kreaturen nicht mehr so grauenhaft unmenschlich ausbeuten, quälen und töten. Genau die gleiche niedere Geisteshaltung bewog die weisse Rasse dazu, den Frauen lange Zeit nur eine Zweitklassseele zuzubilligen und den schwarzen Menschen noch vor 150 Jahren eine Seele abzusprechen. Ein 'Zertifikat' für Sklavenhandel, Erniedrigung, Vergewaltigung, Tötung usw. Meine Seite zu Vegetarismus anstelle des nächsten Kapitels (mit Infos, die erst in die zweite Auflage einfliessen) |
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