Ausklang
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Die Veden lehren uns, dass die Lebewesen in der Welt von Zeit und Raum durch die Wirkungen der Gunas oder Erscheinungsweisen gefesselt werden und ihr wahres Selbst vergessen. Das Sanskritwort Guna bedeutet, Qualität, Kette, Fessel, Strick oder Seil. Diese Ketten werden in drei Hauptgruppen unterteilt: Die träge Erscheinungsweise der dunklen Unwissenheit, die aktive Erscheinungsweise der feurigen Leidenschaft und die stille leichte Erscheinungsweise der heiteren Reinheit. Diese drei Gunas können jedoch in Millionen von verschiedenen Mischungsverhältnissen auftreten. Sobald die Seele - das Lebewesen - die Erfüllung seiner Wünsche auf der Ebene des Nehmens, der Ausbeutung, sucht, gerät sie unter den Einfluss der Gunas. Unter dem Diktat des Wechselspiels dieser Erscheinungsweisen vertieft sich das Lebewesen endlos in die vielfältigen feinen und groben Eindrücke der von Raum und Zeit bedingten Welt, die sein eigentliches Wesen verkümmern lässt.
Wir sprachen in diesem Buch auch über Reinkarnation, Karma und Vegetarismus. Das Verständnis von diesen Dingen ist jedoch nicht das Ziel unseres Strebens, sondern soll uns lediglich in unserem Bemühen nach Bhakti - liebender Hingabe zu Gott - unterstützen. Die Eigenschaften der Reinheit sollen verhindern, dass wir durch unsere eigenen leidenschaftlichen oder unwissenden Handlungen Wasser auf das läuternde Feuer der Bhakti schütten. Gotteserkenntnis und liebevolle Hingabe zu Ihm, betrachten wir somit als das wirkliche Ziel, das unserem ewigen inneren Wesen entspricht.
Im Shrimad-Bhagavatam beschreibt Krishna das Wesen der Gunas und der Bhakti zu Ihm auf folgende Weise:
"Das reine Wissen vom Atma (der Seele, dem wahren Selbst) und Brahman (das alldurchdringende göttliche Licht) ist von Sattva (Reinheit). Das Wissen vom Menschen als Einheit von Körper und Geist ist von Rajah (auf die Sinne fixiert, Leidenschaft). Das alltägliche Wissen, das sich bloss auf irdisches Wohl bezieht, ist von Tamah (Unwissenheit). Doch das Wissen, das in Mir gründet, ist frei von den Gunas."
(XI,25.24)
"Von Sattva (Reinheit) ist die tatkräftige Überzeugung, das Forschen nach dem Atma sei der Sinn des Lebens. Von Rajah (Leidenschaft) ist die Überzeugung, der Zweck des Lebens liege im Erfüllen der den Menschen gebotenen Pflichten. Von Tamah (Unwissenheit) ist die Überzeugung, das Nichtbeachten dieser Pflichten sei der Zweck des Lebens. Tatkräftige Überzeugung aber, das Mir-Dienen sei der Zweck des Lebens, ist frei von den Gunas."
(XI,25.27)
"Die Freude, die aus dem Selbst entsteht, ist von Sattva (Reinheit). Die Freude, die aus der Berührung der Sinne mit den Sinnesobjekten entsteht, ist von Rajah (Leidenschaft). Die Freude, die aus Verwirrung und Erniedrigung entsteht, ist von Tamah (Unwissenheit). Die in Mir gründende Freude ist jenseits der Gunas."
(XI,25.29)
"Das aus den Gunas stammende Tun und Lassen, bestimmt die Art des Umhergetriebenwerdens des Menschen in der Wandelwelt (von Geburt zu Geburt)."
(XI,25.32)
Das subtile Netzwerk der drei Gunas ist nur durch aufrichtige liebevolle Hingabe zu Gott zu überwinden. Denn diese Gunas sind Gottes eigene Energien. Sie sind dazu bestimmt, diejenigen, die aus freiem Willen Gott imitieren wollen, so zu binden, dass sie befähigt werden, gottvergessen ihr auf die Hüllen bezogenes Selbst als das Wichtigste zu betrachten, als das Zentrum des Seins. Krishna gibt jedem Lebewesen die Gelegenheit, seine von Ihm unabhängigen Wünsche zu erfüllen. So können wir mit Seiner Hilfe unser wahres Wesen vergessen und erhalten Wissen, wie wir diese Welt geniessen können.
"Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen."
(Bg 15.15)
"Diese Meine göttliche Energie, die aus den drei Gunas der materiellen Natur besteht, ist sehr schwer zu überwinden. Aber diejeniegen, die Mir ergeben sind, können diese illusionierende Energie sehr leicht hinter sich lassen."
(Bg 7.14)
Zum Bild: Die drei Farben und die Ketten, die von ihnen zum Mensch führen, symbolisieren das Angekettetsein durch die drei Erscheinungsweisen Sattva, Rajah und Tamah (gemalt von Helena Svenia Klossner).
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