Das Reich der vollerblühten Gottesliebe
"...Die Erde besteht dort aus Edelsteinen,
die alle Wünsche erfüllen,
Wasser ist wie Nektar....
Worte und Bewegungen sind Gesang und Tanz.
Vrindavana ist der Ort für die liebenden Gottgeweihten,
die aus reinem Sein bestehen und voller Liebe sind.
Immer geht dort der Mond voll auf,
nur mild strahlt dort die Sonne.
Frei von Leid, frei von Trennung,
frei von Alter und Tod,
frei von Zorn und Eifersucht,
frei von selbstischem Dünkel
Voller Geschmack des Nektars der Glückseligkeit,
ein Meer von Glück in der Fülle der Liebe zu Gott..."
(Padma-Puranam, Patala-Khanda, Kap. 38)
Vrindavana ist die höchste Ebene der Göttlichkeit, die reinste Stufe des Bewußtseins. Vrindavana-Bewußtsein bedeutet, die höchste Form der Liebe zu Gott. Dieses Bewußtsein bietet keinen Raum für den geringsten kalkulativen Gedanken eines persönlichen Vorteils. Das Bewußtsein ist völlig darin vertieft, die Freude und den Genuß Gottes zu steigern. Der Gottliebende dieser Stufe kennt kein anderes Interesse als die Zufriedenstellung seines geliebten Herrn.
In den vedischen Schriften wird Krishna zusammen mit Seinem Reich, Seinen Geweihten und Seinen vielfältigen Energien eindrücklich beschrieben. Doch diese Beschreibungen übersteigen bei weitem unsere Vorstellungskraft. A. C. Bhaktivedanta Swami sagte zu der Übersetzung des Bhakti-rasamrita-sindhu, einer Schrift, in der die Liebesbeziehungen in Gottes Reich sehr vertraulich beschrieben werden: "Ich habe dieses Buch übersetzt, nicht weil ich dachte, daß es jemand verstehen würde, sondern damit die Menschen wissen, daß es so etwas überhaupt gibt."
Krishna ist die höchste Person, die höchste Seele. Seine Namen sind vollkommen unsektiererisch, da sie entweder Seine Taten, Seine wunderbaren Eigenschaften oder Seine ewigen Beziehungen zu seinen liebenden Geweihten beschreiben:
| Krishna |
- der Allanziehende (weil Er durch Seine unfaßbar wunderbaren Eigenschaften die Herzen aller Seelen erobert) |
| Hari |
- derjenige, der alle leidvollen Dinge aus dem Herzen entfernt und der das Herz aller Lebewesen stehlen kann |
| Gaurahari |
- der "golden leuchtende Hari" |
| Gauranga |
- der Goldene |
| Rama |
- die Quelle aller Freude und allen Glücks |
| Vasudeva |
- der Allgegenwärtige (als Paramatma) |
| Vishnu |
- der Alldurchdringende |
| Govinda |
- der Freund der Kühe und des Landes, der Erfreuer aller (göttlichen) Sinne |
| Mahaprabhu |
- der höchste Herr und Meister |
| Vishvambhara |
- der Behüter des Universums |
| Mukunda |
- derjenige, der Erlösung (Mukti) verschenkt |
| Devadeva |
- der Gott der Götter |
Dieser letzte Name taucht übrigens auch oft in der Bibel auf, z. B.:
Wer ist wie Du, Herr, unter den Göttern? (2. Mos. 15.11.)
Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren. (5. Mos. 10.17)
Der Gott der Götter, der Herr, redet. (Ps. 50.1)
Im folgenden möchten wir aus einem vedischen Grundlagenwerk, der Bhagavad-Gita (wörtlich: der Gesang Gottes), Teile aus Krishnas Selbstdarstellung zitieren:
"Diese uralte Wissenschaft von der Beziehung zum Höchsten wird dir heute von Mir mitgeteilt, weil du Mein Geweihter und Mein Freund bist und weil du deshalb das göttliche Mysterium dieser Wissenschaft verstehen kannst." (4.3)
"Befreit von Anhaftung (an alle vergänglichen Dinge dieser Welt), Angst und Zorn, völlig in Mich versunken und bei Mir Zuflucht suchend, wurden viele, viele Menschen in der Vergangenheit durch Wissen über Mich (Krishna) geläutert - und so erlangten sie alle göttliche (von materiellen Motivationen freie) Liebe zu Mir." (4.10)
"O Eroberer von Reichtum, es gibt keine Wahrheit über Mir. Alles ruht auf Mir wie Perlen auf einer Schnur." (7.7)
"Nachdem die großen, hingegebenen Seelen Mich erreicht haben, kehren sie nie wieder in diese zeitweilige Welt zurück, die voller Leiden ist, denn sie haben die höchste Vollkommenheit erreicht. Alle Planeten in der materiellen Welt - vom höchsten bis hinab zum niedrigsten - sind Orte des Leids, an denen sich Geburt und Tod wiederholen. Wer aber in Mein Reich gelangt, wird niemals wieder geboren." (8.15-16)
"Unfähig Meine außergewöhnliche göttliche Form, von menschlichem Aussehen, zu verstehen, lästern unwissende Menschen über Mich, den höchsten Herrn aller Wesen, indem sie Mich als einen gewöhnlichen Menschen betrachten. Diejenigen, die solcher Täuschung unterliegen, fühlen sich zu dämonischen und atheistischen Auffassungen hingezogen. In diesem verblendeten Zustand werden all ihre Hoffnungen auf Befreiung (Erlösung), all ihre fruchtbringenden Handlungen und all ihre Bemühungen um Wissen zunichte gemacht." (9.11-12)
"Diejenigen, die nicht verblendet sind, die großen Seelen, stehen unter dem Schutz der göttlichen Natur. Mit unverschmutztem Herzen, bringen sie Mir liebevollen hingebungsvollen Dienst dar. Sie kennen Mich, in dieser ewigen Form, als die unerschöpfliche und ursprüngliche Ursache aller Schöpfung. Ohne Unterlaß preisen sie Meine Herrlichkeit, bemühen sich mit großer Entschlossenheit und verneigen sich vor Mir. So verehren Mich die großen Seelen unaufhörlich mit Hingabe."(9.13-14)
"Ich beneide niemanden, noch bevorzuge Ich jemanden. Ich bin allen gleichgesinnt. Doch jeder, der Mir in Hingabe dient, ist Mein Freund, ist in Mir, und auch Ich bin sein Freund." (9.29)
"Nur derjenige unter den Menschen, der frei von Täuschung ist und Mich als den Ungeborenen, den Anfangslosen und den höchsten Herrn aller Welten kennt, ist von allen Sünden befreit." (10.3)
"Ich bin der Ursprung aller göttlichen und aller materiellen Welten. Alles geht von Mir aus. Die Weisen, die dies vollkommen verstanden haben, beschäftigen sich in Meinem hingebungsvollen Dienst und verehren Mich von ganzem Herzen." (10.8)
"Denjenigen, die Mir ständig hingegeben sind und Mir mit Liebe dienen, gebe Ich das Verständnis, durch das sie zu Mir gelangen können. Um ihnen besondere Gnade zu erweisen, zerstöre Ich, der Ich in ihren Herzen weile, mit der leuchtenden Fackel des (göttlichen) Wissens die aus Unwissenheit geborene Finsternis." (Bg 10.10-11)
"Des weiteren, o Arjuna, bin Ich der ursprüngliche Same aller Schöpfungen. Es gibt kein Geschöpf - ob beweglich oder unbeweglich -, das ohne Mich existieren kann. Was Ich dir beschrieben habe, ist nur ein kleiner Hinweis auf Meine unendlichen Füllen. Wisse, daß alle majestätischen, schönen und herrlichen Schöpfungen nur einem winzigen Funken Meiner Pracht entspringen." (10.39-40)
"Mein lieber Arjuna, wer sich in Meinem reinen hingebungsvollen Dienst beschäftigt, frei von den Verunreinigungen durch fruchtbringende Tätigkeiten und gedanklicher Spekulation, wer für Mich arbeitet, wer Mich zum höchsten Ziel seines Lebens macht und wer jedem Lebewesen ein Freund ist, gelangt mit Sicherheit zu Mir." (11.55)
"Jeder, der Mich als die ursprüngliche höchste Persönlichkeit Gottes kennt, ohne daran zu zweifeln, ist der Kenner aller Dinge. Daher erweist er Mir ständig liebevollen Dienst (bhakti), oh Nachkomme Bharatas (Arjuna). So habe Ich dir den vertraulichsten Teil der vedischen Schriften enthüllt, oh Sündloser. Wer dies versteht, wird weise werden, und seine Bemühungen werden zur Vollkommenheit gelangen, oh Arjuna." (15.19-20)
"Nur durch hingebungsvollen Dienst (bhakti) kann man Mich so, wie Ich bin, als die höchste Persönlichkeit Gottes, erkennen. Und wenn man sich durch solche Hingabe vollkommen über Mich bewußt ist, kann man in das Königreich Gottes eingehen. Obwohl Mein Geweihter allen möglichen Tätigkeiten nachgeht, erreicht er unter Meinem Schutz und durch Meine Gnade das ewige, unvergängliche Reich." (18.55-56)
A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada, Bhagavad-gita wie sie ist, 1983
Die Worte Krishnas lassen nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder ist Er tatsächlich der Höchste Herr, der Ursprung aller Dinge, oder Er war der größte Gaukler aller Zeiten. Die Bibel enthält zwar viele Hinweise auf die Taten und die ewige Gestalt des Herrn, aber sie beinhaltet keine konkreten Beschreibungen derselben. Deshalb ist jeder Mensch aufgefordert, mit ehrlichem und unvoreingenommenem Herzen zu prüfen: Ist Krishna unser ewiger Freund und Vater oder war Er der cleverste Betrüger, den die Welt je gesehen hat? Hat jede Kirche ihren eigenen Gott oder ist es stets der gleiche Gott, der sich entsprechend der Aufnahmefähigkeit der Lebewesen in unterschiedlichem Ausmaß offenbart? Ist Gott eine unpersönliche Energie oder vielleicht sogar nur menschliches Wunschdenken? Die Weisen geben hierzu folgendes Beispiel:
Ein Lebewesen mag aus großer Entfernung die verschwommenen Umrisse eines Berges wahrnehmen. Wenn es näher kommt, kann es schon bald genauere Konturen ausmachen. Und schließlich ist es so nahe, daß es die Vielfalt der Fauna und Flora des Berges erkennen kann. In ähnlicher Weise nehmen viele Menschen wahr: "Ja, da ist etwas Höheres. Etwas muß all diese Dinge geschaffen haben. Aber ich weiß nicht was." Dies entspricht der verschwommenen Wahrnehmung aus großer Entfernung. Gott wird als undefinierbare, höhere Energie bezeichnet - ohne Form, ohne persönliche Eigenschaften, sondern als Licht, universeller Friede oder kosmische Liebesenergie. In den Veden wird diese Erkenntnis nochmals genauer umschrieben und als unpersönliches Brahman bezeichnet. Diese Unpersönlichkeitslehre (Advaita-Lehre) ist weitverbreitet und wird von deren Anhängern als höchste Erkenntnis gepriesen. Diese Auffassung beinhaltet jedoch eine Disharmonie: Wie kann das Niedere etwas enthalten, das im Höheren nicht enthalten ist? Der Ursprung aller anziehenden Formen soll selbst keine Form besitzen? Die Bhakti-Lehre beschreibt das Brahman als die Ausstrahlung Gottes. Diese Ausstrahlung ist durchdrungen von Freude und besteht aus der Gesamtheit aller Lebewesen (Seelen). Jede individuelle Seele erfreut sich selbstvergessen, jedoch passiv, seiner inneren Freude. Da jedoch Gottes eigenes Wesen und damit auch die von ihm ausgehenden individuellen Lebewesen voller Aktivität sind, können die Seelen nur für eine begrenzte Zeit inaktiv in diesem Brahman verweilen.
Was im Niederen auf unvollkommene und zeitweilige Weise enthalten ist, muß im Höheren auf wunderbare und ewige Weise existieren. Das Niedere kann niemals etwas beinhalten, das im Höheren nicht in höchster Vollendung zu finden ist. Wir suchen in dieser irdischen Welt nach vollkommenen Formen und Beziehungen (Aktivitäten). Doch aufgrund der Eigenschaften der materiellen Natur werden wir immer wieder enttäuscht. Deshalb liegt das höchste Ideal des Bhakta in der dynamischen liebevollen Beziehung zu Krishna und Seinen Geweihten.
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Fortsetzung
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